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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Emendationen  zur  Naturalis  Historia  des  Plinius.  IV.

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machte,  dass  er  ebenso  einen  Theil  des  Ursprünglichen  gewahrt
habe,  wie  die  übrigen  Codices,  und  dass  neben  foliis  auch  floribus ­
  einen  Platz  im  Texte  beanspruche.  1
Aus  diesem  kurzen  Berichte  über  die  Bemühungen  der
Gelehrten  um  die  Stelle  geht  hervor,  dass  ihre  Beurtheilung
nichts  weniger  als  leicht  und  einfach  ist.  Unverkennbar  ist,  wie
an  hundert  anderen  Stellen,  die  nahe  Verwandtschaft  dieses  Abschnittes ­
  mit  dem  entsprechenden  bei  Dioskorides.  Die  Differenzen ­
  sind,  von  Auslassungen  abgesehen,  der  Art,  dass  das
Richtige  Dioskorides,  das  Falsche  die  bessere  Ueberlieferung
des  Plinius  hat.  Es  müsste  also,  sollte  dieser  Text  als  acht
anerkannt  werden,  dem  Plinius  eine  grosse  Nachlässigkeit  in
der  Benützung  seiner  Quelle  imputirt  werden.  Das  wäre  nun
nichts  neues,  obwohl  in  so  starkem  Grade  auch  gewiss  nichts
häufiges.  Aber  nicht  das  allein;  auch  mit  der  weiteren  Darlegung ­
  des  Plinius  selbst  steht  jene  Ueberlieferung  im  schärfsten ­
  Widerstreit.  Denn  §.  54  heisst  es  :  ex  omnibus  his  yeneribus
ad  calculos  efficacissima  est  quae  florem  purpureum  habet.
Das  würde  die  Nachlässigkeit  als  eine  ganz  und  gar  gedankenlose ­
  qualificiren.  Sollte  sie  dem  Plinius  imputirt  werden,  so
müsste  wenigstens  die  Ueberlieferung  so  gesichert  sein,  dass
sie  gar  keinem  Zweifel  Kaum  liesse.  So  steht  es  aber  keineswegs. ­
  Auch  die  besseren  Codices  sind  nicht  gut  und  auch  der
schlechtere  hat  an  vielen  Stellen  anerkanntermassen  allein  oder
mit  einem  Theile  der  besseren  das  Aechte  gewahrt.  Es  wird
daher  auch  hier  was  d  bietet  mit  in  den  Caloul  gezogen  werden ­
  dürfen,  wenn  es  gelingt,  mit  seiner  Hilfe  einen  paläographisch
  wahrscheinlichen  Text  hcrzustellen,  der  wenigstens  den
Widerspruch  mit  der  eigenen  Darstellung  im  Folgenden  beseitigt, ­
  wenn  er  auch  nicht  genaue  Uebereinstimmung  mit
Dioskorides  herstellt.  Und  das  scheint  erreicht  zu  werden  auf
dem  Wege,  den  Urlichs  eingeschlagen,  wenn  beide  Wörter,
sowohl  floribus  als  foliis,  gewahrt  werden.  Denn  für  die  Beibehaltung ­
  von  foliis  spricht  nicht  blos  der  Umstand,  dass  bei
Dioskorides  zwar  von  kleinen  Blättern,  aber  nicht  von  kleinen
Blüthen  die  Rede  ist,  sondern  es  darf  die  Angabe  über  die

1  Urlichs  schlug  folgende  Fassung  der  Stelle  vor:  genera  eius  tria  fronde
tantum  d.  p.  n.  e.,  parvis  foliis  rutae  similibus,  floribus  candidis  etc.
            
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