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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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Werner.

in  den  plastischen  Bildungen  der  Sinnendinge  die  Ausdrücke
der  den  Dingen  in  unmittelbarer  Präsenz  immanenten  göttlichen ­
  Wirkungskraft  erkennt,  während  Amari  einfach  bei  dem
Gedanken  des  Sinnlichen  als  eines  einfach  Gegebenen  niederster
Art  stehen  bleibt.  Daher  beginnt  für  Amari  das  wahrhaft
geistige  Erkennen  erst  bei  der  Apprehension  dessen,  was  Dinge
verschiedener  Art  miteinander  gemein  haben;  die  Apprehension
dieser  Generalitates  ist  ihm  der  Anfang  jener  Erkenntnissweise,
welche  auf  dem  Namen  Wissenschaft  Anspruch  hat.  Vico  will
den  Ausdruck  Genera  auf  die  platonischen  Ideen  bezogen  wissen,
und  versteht  unter  denselben  die  unsinnlichen  Artbegriffe  der
reinen  Formen  der  Dinge;  1  er  hält  also  an  den  Ideen  im
platonischen  Sinne  fest,  und  erkennt  in  denselben  das  höhere
Correlat  der  sinnlichen  Vorstellungen  der  Einzeldinge.  Amari
lässt  nicht  bloss  die  in  diesem  Sinne  verstandenen  Ideen  fallen,
sondern  lässt  die  Idee  auch  nicht  in  jenem  wahreren  Sinne,
in  welchem  sie  die  centrale  Verknüpfung  von  Dingen  differenter ­
  Art  zu  bedeuten  hätte,  zu  ihrem  Rechte  kommen.  Die
Unterscheidung  zwischen  Erkennen  und  Wissen  in  dem  Sinne,
dass  Erkennen  die  ideelle  Apprehension,  Wissen  aber  die  Ausprägung ­
  des  ideell  Apprehendirten  in  exacten  Begriffen  zu
bedeuten  hätte,  ist  ihm  fremd;  er  weiss  nichts  von  Ideen  der
Dinge,  sondern  nur  von  allgemeinen  Wahrheiten,  welche  aus
der  Erforschung  der  besonderen  Dinge  hervortreten,  und  sich
als  unbestreitbare  oberste  Wahrheiten  und  allgemeinste  Ursachen,
als  unabweislich  gütige  Regeln  und  Gesetze  des  erfahrungsmässig
  erkannten  Geschehens  und  Seins  erproben.  Allerdings
kann,  soweit  die  Induction  nur  als  Mittel  eines  logischen
Schlussverfahrens  in  Anwendung  gebracht  wird,  von  einer
anderen  philosophischen  Erkenntniss  der  erfahrungsmassig  gegebenen ­
  Wirklichkeit  keine  Rede  sein;  auch  Vico  kannte  keine
andere  übersinnliche  Verbindung  der  Dinge  differenter  Art,
als  die  durch  Inductionsschlüsse  zu  ermittelnde,  und  betonte,
da  diese  Schlüsse  nur  auf  allgemeine  Erscheinungsformen  und
Wirkungsgesetze  hinleiten,  ohne  das  innere  Wesen  der  Dinge

1  Latini,  quum  dicunt  genus,  intelligent  formam;  quum  speciem  duo  sentiunt,
  et  quod  scholae  dicunt  individuum,  et  simulacrum  sive  apparenza.
Opp.  II,  p.  59.
            
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