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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Kleon  bei  Thukydides.

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Gegentheile  sich  als  Lügner  zu  erweisen,  1  so  ermahnte  er  die
Athener,  da  er  sah,  dass  sie  auch  etwas  mehr  zu  Felde  zu
ziehen  in  ihrem  Sinne  geneigt  waren', 2  dass  sie  die  Feinde
angreifen  sollten.  Und  so  steht  es  nun  auch  mit  der  Lustspielscene, ­
  nämlich  bei  dem  lustigen  Streite  mit  den  erwählten  Strategen, ­
  da  ihm  Nikias,  auf  die  Strategie  verzichtend,  in  Aller
Namen  das  Commando  anbietet  (28,  2).  ,Da  er  Anfangs  meinte
(o!0[j,svoc),  dass  (Nikias)  nur  zum  Scheine  verzichte,  war  er  bereit;
da  er  aber  erkannte  (yvou?),  dass  derselbe  wirklich  (das  Commando) ­
  übergeben  wolle,  wich  er  aus  und  sagte  schon  in
Furcht,  nicht  er,  sondern  Jener  sei  Stratege/ 3  Das  Motiv,
wesshalb  Kleon  nach  seiner  Ernennung  zum  Commandirenden
auf  dem  Kriegsschauplätze  gerade  Demosthenes  sich  beigesellte,
wird  uns  aus  der  leicht  erkennbaren  Quelle  mitgetheilt:  ,er  erfuhr ­
  (zuvOavogsvo?),  dass  derselbe  eine  Landung  auf  der  Insel  plane'.
Bringen  wir  nun  Alles  in  Rechnung,  was  die  persönliche
Abneigung  des  zeitgenössischen  Schriftstellers  und  die  vielleicht
malitiöse  Berichterstattung  des  Demosthenes  über  Kleon’s  Motive ­
  der  Darstellung  zugeführt  -hat,  so  bleibt  es  doch  ein  um
so  schöneres  Zeugniss  der  über  Aller,  auch  über  der  eigenen
Leidenschaft  stehenden  Auffassung  des  Geschichtschreibers,
wenn  die  von  ihm  berichteten  Thatsachen  wesentlich  andere
Eindrücke  hinterlassen.
Bei  der  Ablehnung  der  wiederholten  Friedenserbieten
der  Spartaner  —  ,sie  kamen  häufig'  —  nach  dem  Siege  von
Sphakteria  nennt  Thukydides  Kleon  überhaupt  nicht; 4  er  sagt
1  Wenn,  wie  nach  dem  Obigen  anzunehmen,  hier  ein  Selbstbekenntniss
Kleon’s  vor  Demosthenes  vorliegt,  so  passte  die  Lesart  des  Vaticanus  <Leuo7)i;
ysvyjasaOai  besser  als  die  Vulgata  oavTjascjOcu,  wenn  man  Kleon  als  einen
Mann  betrachten  will,  der  eine  moralische  Scheu  vor  Lüge  hatte,  wie  ja
immerhin  sachlich  möglich  wäre;  aber  Thukydides  hat  ihn  doch  schwerlich
als  solchen  darstellen  wollen.  Vgl.  Classen  IV,  215.  —  Gilbert  183
glaubt  achtbare  und  wirklich  einleuchtende  politisch-militärische  Motive
für  die  Ablehnung  der  Augenschein-Commission  durch  Kleon  annehmen
zu  können;  aber  aus  blosser  Combination  solche  zu  supponieren,  scheint
mir  höchst  bedenklich.
2  opwv  autou;  y.al  u)pp.7)[jivou<;  ti  to  izkiov  T7)  yvmu.7)  axpaxsuEiv,  27,  4.
3  xai  ou*/.  —  u^o^topijCTai  ist  von  Krüger  als  Glossem  gestrichen.
4  IV,  41,  3  und  4.  Ob  ihn  Aristophanes  (Frieden  669)  mit  Recht  für  die
Ablehnung  dieser  neuen  Vorschläge  verantwortlich  macht,  ist  daher  an
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