Kleon bei Thukydides.
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dazu bringen will, allem Verweichlichenden und Schwächlichen,
vollends der rednerischen Sophistik, zu entsagen und die grosse
Kriegsaction ohne Nebenrücksichten zu vollbringen. Das grässliche
Geschick, das Kleon den Mytilenäern bereiten möchte,
und der entsprechende Beschluss des attischen Herrschervolkes
erscheint auch uns noch heute unvermeidlich und durch die
schwachmüthige und fast verdächtige Rede Diodot’s trotz der
Ueberraschung mit dem grossen strafrechtlichen Theorem keineswegs
beseitigt. Wenn in der Abstimmung des Volkes, obgleich
mit schwacher Majorität, dennoch des Letztem Antrag zum
Siege gebracht wird, so muss man wohl sagen, dass das
menschliche Gefühl — ,Mitleid und Rücksichtnahme' nach
Kleon’s Ausdruck — über die Staatsraison gesiegt haben; mit
der Hinrichtung der ,mehr als tausend' Vollberechtigten in
dem von Diodotos gewünschten ordentlichen Processwege hat
aber Kleon doch einen Ersatz für sein Schreckensystem gefunden;
bei dem Abfalle Skione’s ist das atheniensische Volk
in vollem Umfange auf dasselbe eingegangen.
Die Geistesart des Politikers Kleon, wie sie Thulcydides
erschien, haben wir aus der grossen Rede nach verschiedenen
Seiten kennen gelernt und nichts in derselben gefunden, was
den von Aristophanes gelieferten und früher erörterten Zügen
widerspräche. Zur Vervollständigung des Bildes dienen aber
doch die Berichte über sein Eingreifen bei den Kämpfen von
Sphakteria und in Thrakien.
In beiden Fällen werden Stücke aus Reden, Unterhaltungen
und Ansprachen mitgetheilt, die aber fast nur Thatsächliches
enthalten und am besten im Zusammenhänge mit den
Ereignissen selbst betrachtet werden. Der Charakter der Berichterstattung
über die Katastrophe von Pylos und ihre Folgen
ist in zweifacher Beziehung ein wesentlich anderer als der in
der mytilenäischen Sache von uns beobachtete.
Dort trat des Geschichtschreibers eigene Meinung so sehr
zurück, dass man dieselbe aus Andeutungen und Analogien
festzustellen suchen musste: hier wird sie uns mit aller Schroffheit
einer gegnerischen Ueberzeugung entgegengebracht; was
sich gegen Diodotos’ Ausführungen sagen Hess, haben wir dort
aus Kleon’s eigenem Munde vernommen: hier steht Jedem