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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Uleon  bei  Thukydides.

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können:  ,auf  Eure  Gefahr,  nur  mit  Paradoxen  oder  bestochen'
kann  ein  Redner  für  die  Verräther  eintreten.
Dann  folgt  die  höhnische  Zeichnung  atheniensischer  Geistesart, ­
  wie  sie  erbarmungsloser  von  keinem  Feinde  geliefert  werden
könnte.  An  ihrem  Anfang  und  Ende  steht  der  Vorwurf,  dass
die  Athener  ,den  dasitzenden  Zuschauern  von  Sophisten  gleich' 1
seien.  Das  klingt,  als  ob  Aristophanes  Züge  zu  seinen  Wolken
dem  Todfeinde  hätte  entlehnen  müssen,  wenn  nicht  gar  der  Geschichtschreiber, ­
  vielleicht  unbewusst,  aus  dem  Dichter  geschöpft
hat. 2  Der  Athenienser  vollkommene  Unfähigkeit  für  eine  nüchterne ­
  politische  Erwägung,  da  sie  vollends  Sklaven  jeder  Phantasie ­
  seien, 3  wird  wie  in  dem  Resurne  eines  Lustspieles  in
einer  langen  Reihe  von  Schlagsätzen  angeführt.  ,Ihr  seid  gewohnt, ­
  Zuschauer  bei  Reden  zu  sein,  Ihr  seid  mit  neuer  Rede
trefflich  zu  betrügen,  Ihr  sucht  gleichsam  etwas  Anderes,  als
was  in  dieser  lebendigen  Welt  zu  finden  ist,  Ihr  seid  von  der
Wollust  des  Hörens  bewältigt,'  so  spricht  lvleon  unter  Anderm
im  Jahre  427. 4  Aristophanes,  der  unter  Kleon’s  Zuhörern  gewesen ­
  sein  kann,  lässt  den  Chor  seiner  vierundzwanzig  jungen
Ritter  drei  Jahre  später  dem  Volke  singen:  ,Du  freust  Dich,
mit  Schmeicheleien  betrogen  zu  werden,  gaffst  stets  nach

1  Euoöaxs  ösaxai  xaiv  Xoycov  aotpiaxdiv  Gsaxat;  sov/.oxes  xaQ/3  pivot;
38,  4  und  7.  —  17  y*p  oloe  optoaiv  o\  <jooop 1  syzEJCUtpoxE;;  fragt  Strepsiades
  bei  dem  Anblicke  von  Sokrates’  Schülern.  Wolken  191.
2  Manches  trifft  nur  zufällig  überein:  TEtTiyo^opo;,  iw  ap/auo  cr/7j|xaTi  Xajjjrpd;
Ritter  1331  (vgl.  Wolken  984:  apyata  xExxtyüJV  avauEaxa)  mit  Thuk.  I,
6,  3.  So  auch  die  Bezeichnung  des  Hyperbolos  als  p.oy  Ö7)pdg  Ritter  1304
wie  Thuk.  VIII,  73,  3.  Aber  die  Beziehungen  Beider  sollten  doch  vollständig ­
  zusammengestellt  werden.
3  oouXoi  ovxe?  iwv  asi  axo'7:a>v  38,  5.
4  EituÖaxE  Osaxal  p.'sv  Ttov  Xdytov  Y l T v£a ^ a -  —  **^0x73x0;  Xoyou  ct7:axaa0at
aptaxoi  .  .  .  ^7jxoÜvxe;  aXXo  xi  ^  iv  .  .  .  a/.07j;  7300773  f^aatouEvot
38,  5  und  7.  Diesen  Theil  der  Rede  erkannte  schon  Haase,  mantissa
p.  16  als  ein  Zeuguiss  der  treuen  Wiedergabe  von  Kleon’s  Worten  durch
Thukydides  (vgl.  oben  S.  376,  Anm.  2):  facile  apparet,  in  ea  re  accurate
  Thucydidem  non  sententias  solum  Cleonis  repetivisse,  sed  etiam
quoad  eius  fieri  potuit  orationis  formam:  id  quod  fortasse  ideo  facilius
factu  fuit,  quia  Thucydides  ipse  orationem  audivit,  quam  certe  multis
testibus  cognocere  potuit.
            
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