Klf*on hei Thukydides.
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Ich denke, dass über den sachlichen Inhalt von Kleon’s
blutigem oder, nach Thukydides’ Ausdrucke, ,gewalttätigem'
Anträge nicht viel Zweifel möglich ist: in der Verächtlichkeit
der Mytilenäer findet er nach antiker Moral seine volle Rechtfertigung.
Zunächst hat uns die Auffassung zu beschäftigen, welche
ihn der Geschichtschreiber über den Charakter des atlieniensischen
Reiches und die allgemeinen Grundsätze seiner Regierung
äussern lässt. Es ist nun längst bemerkt worden, dass
mehrere seiner Aeusserungen solchen in Perikleischen Reden
gleich oder ähnlich sind; man hat das für eine bewusste Nachahmung
sei es Kleon’s, sei es des Autors erklärt. 1 Die betreffenden
Stellen dürften eine weniger künstliche Deutung
zulassen und sich als unabsichtliche Anklänge an schon einmal
gebrauchte Aeusserungen am einfachsten erklären, indem Thukydides
sei es beide Male authentische Worte, sei es auch nur
den Intentionen der Redner am nächsten entsprechende seinem
Grundsätze gemäss 2 wählte. Als leitender Staatsmann konnte
Kleon wie sein grosser Gegner sich keiner Täuschung darüber
hingeben, dass die Herrschaft der Athener über ihre Bundesgenossen
eine Tyrannei sei, wie ja auch Aristophanes das Volk
der Athener als König und Tyrannen begrüsst. 3 Perikies vergleicht
ihre Herrschaft wohl nur einer Tyrannei, indem er weiter
bemerkt, dass ihre,Erwerbung als Unrecht erscheinen' könne, die
,aufzugeben aber gefährlich', ja geradezu ,unmöglich' sei, ,wenn
Jemand aus momentaner Furcht und Trägheit auch in solcher
Weise den Biedermann spielen' wolle. Kleon fasst das nur härter:
,Ihr seht nicht, dass Eure Herrschaft eine Tyrannei ist', die durch
Schrecken erhalten werden müsse;,sonst muss man die Herrschaft
aufgeben und fern von der Gefahr den Biedermann spielen'. 1 Wenn
1 ,So fern er ihm an Geist und Gesinnung steht, so hat er doch von ihm
gelernt, was in der Rede Wirkung tliut 1 ; . . . ,die ganze Stelle in Gedanken
und Ausdruck jener Perikleischen nachgebildet 1 , Classen III, 54, 07.
2 yzt.z-'ov tf|V dzplßEiav aürijv tcüv XeyÖfvt(ov Sia(j.V7)[xovEÜoat fjv sp.of — iyo-[Aw
im EYyÜTava yvt6|X7j; Tthv a),7]0w$ XeyOfvTinv. I, 22, 1.
3 Vgl. oben S. 370, Anm. 5 bis 7; als eine ropavvov aöXtv bezeichnen auch
die Korinther I, 122, 3 und 124, 3 Athen.
4 II, 03, 2 = III, 37, 2 und 40, 4.