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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Kleon  bfti  Thukj'dides.

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Vertrauen  in  den  Redner,  den  der  bescheidene  Diodotos  übrigens
auch  für  guten  Erfolg  nicht  belohnt  wissen  will. 1  Bei  der
Erörterung  des  allgemeinen  Verhältnisses  zu  den  Bundesgenossen ­
  gebraucht  er  dieselben  Redewendungen,  wenn  auch  zu
der  Kleon  entgegengesetzten,  von  diesem  doch  nur  nebenher
betonten  finanziellen  Schlussfolgerung,  dass  man  durch  Terrorismus ­
  sich  unentbehrlicher  Einnahmequellen  beraube. 2  Er
verwahrt  sich  gegen  einen  andern,  in  unseren  Augen,  vollends
nach  dem  grossen  Theorem,  wahrlich  erträglichen  Vorwurf
Kleon’s  (37,  2):  er  erklärt  auch  seinerseits,  dass  man  durchaus
nicht  ,Mitleid'  und  ,Nachsicht'  walten  lassen  dürfe.
Aber  die  Ungeradheit  und  Halbheit  des  Mannes  zeigt
sich  auch  in  einzelnen  Motiven  seines  Vorschlages.
Nun  hatte  Kleon,  worauf  wir  zurückkommen,  dem  Volke
gegenüber  einen  recht  gröblichen  Meisterton  angeschlagen.  Aus
Diodotos’  Munde  klingt  aber  ein  Ton  überlegenen  Weisheitsanspruches
  heraus,  der  den  Leser  in  eine  heitere  Stimmung
versetzen  muss.  Es  mag  noch  hingehen,  wenn  er  sogleich  in
der  Einleitung  Kleon  mangelnde  Erziehung  (cbraioeuGta)  und
Bornirtheit  (ßpczy_uv/;c  y V( *>|JW)s)  vorwirft,  ihm  auch  wegen  seiner
Redenfeindschaft  nur  die  Wahl  lässt,  für  albern  (agjVETO?)  oder
auf  Privatvortheil  sinnend  (iota  vt  oiacpspwv)  zu  gelten,  obwohl
solche  Insulten  ihren  Zweck  stets  verfehlen.  Aber  Diodotos
sagt  auch  dem  Volke:  ,man  muss  verlangen,  dass  in  den
grossen  politischen  Fragen  ,und  besonders  in  der  gegenwärtigen
unsereins  mit  etwas  weiterer  Voraussicht  rede  als  Ihr,  die  Ihr
kurzweg  überlegt'. 3
Dabei  unterlässt  er  nicht  in  ergötzlicher  Weise  die  Unbilligkeit ­
  hervorzuheben,  wie  viel  er  selbst  riskire,  wenn  sein
Antrag  keinen  Beifall  finde  (43,  5),  als  ob  dem  nicht  jeder

1  42,  3-5.
2  39,  7:  t£voc  o’i'ecöe  ovnva  =  46,  2:  t(voc  o’üaÖs  yjvnva.  —  39,  8:  T7)$  emetta
“pQGooou,  ot’  r]v  icryjJO[j.£V,  to  Xo  17:0V  aTsp^asaOe  =  47,  G:  —  t%  7:poaooou
to  Xot7:ov  aT:’auT7ji;  GTSpsoOat  *  Z<ry  uojaev  8s  r.p'ot;  tous  t:oX£[j.coui;  tojoe;  Beides
eminent  an  Perikies’  Worte  erinnernd:  Xeyajv  T7jv  tayuv  auTot;  a7:o  toutcov
£ivat  Ttov  'yprjjxchrtov  T7j<;  rcpoao'oou  II,  13,  2,  ebenso  42,  2  an  Perikies’  Ausspruch ­
  II,  40,  2,  woran  Haase,  mantissa  p.  11  erinnert.
3  '/A  ^po;  t< *  P^Y iaTa  xat  T0l ^£  ac-iouv  ti  Tzepouzipo)  rpovoouvTa;
  Xfysiv  uptov  ta>v  oi’  oX(you  ctxottouvtcov  43,  4.

25*
            
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