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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Kleon  bei  Thukydides.

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nicht  vollkommener  findet, 1  so  dass  sie  sich  der  Seele  des
Lesers  wie  plastische  Gestalten  einprägen. 2
,Aber  zu  den  Gefahren  reissen  hin:  sowohl  die  Armuth,
die  in  der  Noth  das  Wagniss,  als  der  Wohlstand,  der  in  Uebermuth
  und  Ueberhebung  die  flabsucht  darreicht,  als  auch,
durch  der  Menschen  Leidenschaft,  die  anderen  Lebenslagen,
wie  jede  von  einem  unwiderstehlichen  stärkern  Triebe  beherrscht ­
  wird.  Am  meisten  schädigen  bei  dem  Allen  die
Hoffnung  und  die  Begierde,  indem  diese  führt,  jene  folgt,
diese  das  Unternehmen  ausdenkt,  jene  die  Begünstigung  des
Glückes  vorspiegelt:  unsichtbar»  Gewalten,  die  stärker  als  die
gesehenen  sind.  Und  wirklich  trägt  nächst  ihnen  um  nichts
weniger  das  Glück  zum  Anreiz  bei;  denn  unerwartet  tritt  es
bisweilen  heran  und  drängt  zu  Wagnissen  auch  bei  unzureichenden ­
  Kräften.  Das  gilt  auch  völlig  von  Staaten,  insofern
das  Glück,  wo  es  sich  um  das  Grösste,  Freiheit  oder  Anderer
Herrschaft,  handelt,  (sie  zum  Wagniss  treibt);  da  veranschlagt
Jeder  (in  der  Gemeinschaft)  mit  Allen  sich  unvernünftig  um
etwas  höher.  Kurz:  es  ist  unmöglich  und  sehr  einfältig  zu
glauben,  dass  die  menschliche  Natur,  einmal  erregt  etwas
frisch  zu  vollbringen,  durch  strenge  Gesetze  oder  irgend  andere ­
  Gefahr  verhindert  werden  könne.'
Die  hier  vorgetragene  Theorie  ist,  wie  gesagt,  sachlich
epochemachend  und  formell  unübertroffen,  aber  praktisch,  wenn
nicht  auch  noch  für  unsere,  so  gewiss  für  jene  Zeit  unausführbar. ­
  Vor  Allem  wäre  schwerlich  eine  atheniensische  Volksversammlung ­
  der  Ort  gewesen,  sie  vorzutragen;  denn  die  nächste
Consequenz,  die  in  dieser  gezogen  worden  wäre,  der  Redner
wolle  den  Vergehungen  ungezügelt  ihren  Lauf  lassen,  hätte
sie  unmöglich  gemacht. 3
1  Hier  trifft  wirklich,  was  Dionysios  über  Thukydides’  Besonderheiten  (tSiwpaxcov)
  e.  2  sagt,  seine  Eigenart  bilde  ein  ysvoc  —  oüxs  r.iCvt  auxoxEktos
oute  su.  p.sxpov  dro)pna|j^vü>s,  xoivov  oi  xi  xai  pixxöv  sä;  äpoocv  IpfaadpiEvos.
Auch  die  Bemerkung  in  der  Schritt  über  Thukydides’  Eigenart  (/apaxxfjpo?)
  c.  25  ist  hierher  gehörig:  man  finde  bei  ihm,  oux  ollya  xal  xü*  0eocxpixüv
  xsfpiEva.  Einige  solche  0saxpiza  Gy/juaza  bringt  er  c.  29:  Unsere
Stelle  lässt  sich  denselben  beifügen.
2  Wie  konnte  nur  Blass  I,  238  in  Diodotos’  Rede  Pathos  vermissen!
3  Immerhin  verdient  bemerkt  zu  werden,  dass  der  von  Thukydides  so  hoch
geschätzte  Nikias  nach  der  Wiedereroberung  von  Mende  kein  Strafgericht
Sitzungsber.  d.  pbil.-hint.  CI.  XCVI.  Bd.  II.  Hft.  25
            
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