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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Kleon  bei  Thukydides.

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die  Platäer,  vergeblich  auf  die  Hilfe  alter  Bundesgenossen; 1
aber  nicht  wie  die  Platäer  sind  sie  durch  Eide  und  verständige ­
  Rücksichten  gebunden,  sondern  durch  die  Erinnerung  an
eine  siebenhundertjährige  Freiheit  (112,  1),  durch  das  Bewusstsein ­
  ihrer  Tugend  gegenüber  den  frevelhaften  Angreifern,  doch
mit  einem  naiven  Zugeständnisse  der  Unvernünftigkeit  ihres
Widerstandes, 2  von  dem  ihnen  deutlich  gesagt  ist,  dass  er  zum
schrecklichsten  Ende  führen  müsse. 3  Die  Athener  bemerken
mit  einer  Schlusswendung,  die  sie  als  Vorwurf  Kleon’s  von
ihrer  eigenen  Rednerbühne  hatten  hinnehmen  müssen, 4  dass  die
Melier  in  gänzlichen  Illusionen  leben,  auf  Sparta,  Glück  und
Hoffnung  trauend  zu  grösstem  Unheil  kommen  werden.  •'  Das
wird  denn  auch  dem  Leser  in  allen  Tonarten  vorgetragen:
,Ihr  habt  in  den  langen  Reden  nichts  gesagt,  worauf  Menschen
zu  ihrer  Rettung  trauen  zu  können  vermeinen';  ,eure  grösste
Stärke  hegt  in  Hoffnungen  und  ewigen  Absichten';  ,mit  eurer
Ablehnung  zeigt  Ihr  Unvernunft'. 6  Hält  man  dazu  die  Kleinlichkeit, ­
  wie  den  atheniensischen  Gesandten  aus  Furcht
vor  ihrer  Verführungskunst  der  Zutritt  zur  melischen  Volksversammlung ­
  verwehrt  und  wie  die  Verhandlung  von  den
melischen  Beamten  nur  satzweise"  zugelassen  wird,  so  hat
man  wohl  das  Bild  ziemlich  vollkommen,  das  der  Geschichtschreiber, ­
  selbstverständlich  seiner  eigenen  Ueberzeugung  gemäss,
hervorbringen  wollte.  Der  Leser  muss  sich  eben  sagen,  dass
diese  brave,  aber  vollkommen  einfältige  und  in  ihrer  Albernheit

1  Aa/Eoaijxovtav  xiutopta  t:igtsuovtes  III,  112,  2.
2  oti  ocnoi  r.p'o$  ou  oixaloui;  laraji-EOa  —  ou  7:avxa7:aaiv  oüxaaXoyax;  6paGuvbp.£0a.
V,  104,  womit  sich  denn  die  Voraussage  der  Athener  rechtfertigt,  dass
sie  aicr/uvrjv  atoyuo  p-Exa  avota$  v)  “uyrj?  rpoaXaßEtv.  V,  111.
3  oti  ujxtv  [xev  rpo  xou  Ta  bsivo'xaxa  tiocOeiv  uTia/.ouaai  av  ydvoixo,  ok
|jlt)  biacpÖstpavxsc  uua;  zEp5aivoip.sv  av.  V,  93.
4  Ta  jxkv  [xs'XAovxa  Ipya  ca:b  xö5v  ei-ovtojv  g/.otiouvte?  a>;  ouvaxa  yiyvEaÖai  —
oouXot  ovxs?  tcüv  äst  axoTCODV,  sagt  ihnen  Kleon  III,  38,  4  (ed.  Stahl),  xa
p.s'XXovxa  xwv  opcojj-Evcov  oacpEoxspa  y.plvexe,  xa  ok  acpavf)  xw  ßouXsoöai  d>;  ytyvdusva
  r t 07)  QeccgOs,  sagen  sie  den  Meliern,  V,  113.
5  “XeTgtov  GoaXrjGEGÖE  Ib.
6  u|j.6jv  xa  (j.kv  loyupo'xaxa  E)»7:ivd|ASva  usXXExai.  .  .  -oXXrjv  aXoytav  xrj;  biavotai;
“aps'^Exs.  111.  ua/.apiGavxsc  xo  cbiEipdxaxov  ou  £7jXou|j.ev  •o  acppov  105,  3.
7  xaö’  exaoxov  yap  xal  jiTjo 1  u[ae?£  evi  Xoyip,  aXXa  —  euÖu;  u-oAap-ßavovxs;
xptvsxE.  V,  85;  cf.  84,  3.
            
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