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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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Bü  ding  er.

Capitulation  wird  dann  in  voller  Ausführlichkeit  geschildert. 1
Es  wird  hier  Niemand  die  zum  Hei-zen  sprechenden  Ausführungen ­
  der  platäischen  Redner  und  die  strengen,  wesentlich
historisch  gehaltenen 2  Argumente  ihrer  thebanischen  Feinde
gelesen  haben,  ohne  den  Schluss  mit  Abscheu  zu  erfahren:
,Sie  führten  sie  fort  und  tödteten  sie,  ohne  irgend  einen  auszunehmen; ­
  sie  bi’achten  um:  von  den  Platäern  selbst  nicht
weniger  als  zweihundert,  von  den  Athenern  fünfundzwanzig,
die  mit  belagert  waren;  die  Frauen  verkauften  sie  als  Sclavinnen'.
  Nach  der  dem  Leser  beigebrachten  Meinung  ist  das
Geschick  ein  durchaus  unverdientes,  und  es  lässt  die  unmittelbar
voi'her  erzählte  Hinrichtung  der  tausend  Rebellen  von  Mytilene
um  so  eher  dem  Gange  einer  ordentlichen  Justiz  entspx'echend
erscheinen.
Ist  das  Schicksal  der  Melier  weniger  beklagenswerth  als
das  der  Platäer?  Wie  gesagt,  Thukydides  begründet  es  in
jenem  grossen  Dialoge.  Als  Kunstwerk  steht  derselbe  in  der
historischen  Literatur  gewiss  einzig  da. 3  An  Vollständigkeit
der  Motive  beider  kriegführender  Theile  ist  er  überhaupt  unübertrefflich. ­
  1  Das  Ergebniss  aber  ist  in  den  Augen  des  Lesers
für  die  Melier  durchaus  vernichtend.  Auch  sie  vertrauen,  wie

1  III,  52—68.
2  Blass,  Die  attische  Beredsamkeit  I,  235.
3  Die  sorgsame  Uebersicht  bei  Classen  V,  186  flgde  lässt  doch,  wie  mir
scheint,  die  Feinheit  der  Anlage  nicht  ganz  erkennen,  wie  ich  denn  auch
statt  seiner  Disposition  (85—89,  89—100,  100—113)  eine  andere  vorzöge,
etwa  85—89,  89—104  ,die  Wirklichkeit 1  —  denn  das  .Erreichbare 1  wird
in  dem  ganzen  Dialoge  behandelt  —  104—115  ,die  Möglichkeiten*.  —
Blass  I,  237  führt  die  ,sehr  kunstvolle  Disposition*  des  Dialoges  dahin
ans,  dass  er  in  85—88  eine  Art  Prooemium,  89  eine  Art  Prothesis  biete;
er  theilt  dann  90—93,  94—99,  100—101,  102—110,  und  111,  1—5  als  Epilog.
4  So  urtheilte  man  schon  im  Alterthume,  wie  Dionysios  a.  a.  O.  c.  37
sagt:  ov  (o'.dXoyov)  pdXitxxa  Ejuxivouaiv  oi  to'j  yxpxy.zfjpoz  tovzo'j  Oavpaurat.
Was  er  selbst  c.  39  und  40  dagegen  einwendet,  macht  den  Eindruck,
als  ob  der  römische  Untertlian  griechische  Vergangenheit  nicht  aus  der
Idealität  herabgezogen  haben  wolle.  Er  klagt  über  die  Unschicklichkeit,
die  Athener  eine  so  unverhüllte  Gewaltpolitik  —  ßatr'.Xeuoi  ßapßdpois  zzuzx
~po5  "EXXjjva;  rjpporrs  Xfyav  —  und  dazu  solche  Irreligiosität  bekennen
zu  lassen,  Letzteres  wegen  c.  103,  §.  2  (obwohl  105,  1  noch  stärker  ist),
wie  Dionysios  schilt:  ore  XupatvE-at  tou;  ivOpurau;  rj  -txpä  -tov  Oscov  sXr.li.
            
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