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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Kleon  bei  Tlmkydides.

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Beobachtung-  des  auf  beiden.  Seiten  Geschehenen  eine  bessere
Erkenntniss  gewinnen  konnte.  Von  den  Neueren  haben  sich
Mehrere 1  des  Verurtheilten  warm  angenommen;  Grote 2  aber
hat  das  Verfahren  der  Athener  verth  eidigt  und  auch  dessen
Meinung  begreiflich  lebhafte  Anhänger  gefunden. 3
Es  liegt  immerhin  nahe,  anzunehmen,  dass  eine  Verbitterung ­
  gegen  den  Politiker,  der  seine  Verurtheilung  bewirkt
haben  wird,  auch  in  der  Seele  des  Geschichtschreibers  zurück
blieb  und  seine  Darstellung  beeinflusste.  Doch  hatte  er  sich
zum  Grundsätze  gemacht,  nicht  nach  seiner  subjectiven  Meinung, 4
sondern  nach  dem  von  ihm,  sei  es  selbst  beobachteten,  sei  es
von  Anderen  mit  möglichster  Genauigkeit  im  Einzelnen  erfragten ­
  Thatbestande  zu  schildern,  rvobei  er  denn  dem  Leser
die  Schwierigkeit  einer  kritischen  Scheidung  vorführt.
Immerhin  lässt  sich  bemerken,  dass  von  den  drei  Stellen,
an  welchen  er  über  Kleon  urtheilt,  die  beiden  früheren,  noch
näher  zu  besprechenden,  bei  dem  lesbischen  Aufstand  und  dem
Zuge  nach  Pylos  nur  Ivleon’s  gewaltthätigen  Sinn  und  mächtigen ­
  Einfluss  auf  das  Volk  schildern,  die  letzte  aber  mit  allem
Anscheine  wahrhafter  Feindseligkeit  über  ihn  urtheilt.  Kleon
sei  Gegner  des  Friedens  gewesen,  sagt  Thukydides,  weil  er
gemeint  habe,  dass,  ,wenn  Ruhe  eintrete,  seine  Uebelthaten
mehr  aufgehellt  und  seine  Verläumdungen  weniger  geglaubt
würden'. 5  Er  gibt  mit  diesen  Worten  freilich  nur  eine  Meinung ­
  der  höheren  Stände  wieder,  die  Aristophanes  in  dem
Jahre  der  Verurtheilung  des  Geschichtschreibers  schon  von
der  Bühne  herab,  wie  längst  bemerkt  wurde,  verkündet  hat. 8
1  Niebuhr,  Vorlesungen  über  alte  Geschichte  II,  97;  Thirlwall,  Hist,  of
Greece  III,  287  (ed.  1837);  Curtius,  Griech.  Geschichte  II 4 ,  487,  826.
2  VI,  191  flgde.
3  Oncken,  Athen  und  Hellas  II,  323,  trotz  seiner  erklärten  Neutralität
wohl  auch  Gilbert  196.
4  rfclüiGCL  Ypacpstv  ouo’  toi;  iaoi  ioozsi.  I,  22,  2.
5  Y£vo[j.£vr^  7]<Toyta;  zaxa^avsaTepos  vo[x{£iov  av  etvai  /.a/.oupYüJV  xai  aTZiaxoiEpo?
oiaßaXXiov.  V,  16.
6  o  8=  07j[i.o;  *1*7:0  xou  noXs'pou  xai  ttj;  ofifyXqg  a  rcavoupysig  p.rj  xaOopa  aou.
Ritter  V.  802.  IlavoüpYo?  —  doch  erheblich  milder  als  xaxoupyog  (vgl.
Thukyd.  III,  45,  3)  —  ist,  wie  die  Ritter  V.  249  mit  Emphase  betonen,
und  Wespen  V.  1227  wie  Frieden  V.  652  noch  besonders  eingeschärft
wird,  das  regelmässige  Epitheton  Kleon’s  bei  Aristophanes.
            
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