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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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B  ü  d  i  ng  e  r.

den  Bundesgenossen  das  ganze  System  atlieniensischer  Reichsregierung
  verhöhnt,  die  Knechtschaft  der  scheinbar  demokratischen ­
  Unterthanengemeinden  dargethan,  die  Beamtungen  durch
Loos  wie  Wahl  lächerlich  gemacht,  dazu  auch  freilich  Kleon
selbst.  1  Das  war  nun  um  so  bedenklicher,  als  der  Krieg  noch
in  vollem  Gange  und  der  Aufstand  der  Lesbier  erst  im  Jahre
vorher  niedergeschlagen  war.  Da  nun  Aristophanes  bei  seinen
Rachedichtungen  zunächst  ausdrücklich 2  und  in  den  .Rittern'
unter  selbstverständlicher  Voraussetzung  auf  seine  Zugehörigkeit ­
  zur  atheniensischen  Bürgerschaft  pochte,  so  griff  ihn  Kleon
gerade  an  dieser,  wie  es  scheint, 3  sehr  schwachen  Stelle  wegen
Bürgerrechtsanmassung  an;  der  Dichter  ist  bei  dem  Processe,
in  dem  es  um  Besitz  und  Freiheit  gieng,  in  grosse  Drangsal
gerathen, 4  aus  der  er  nicht  ohne  Demüthigung  ,durch  einige
Aefferei',  wie  er  sagt, 5  entkam.  Aber  erst  nach  Kleon’s  Tode
hat  er  doch  dem  ungebändigten  Hasse  wieder  nachzugeben
gewagt.
Und  nicht  anders,  als  mit  der  ersten  Anklage  des  grössten
Lustspieldichters,  steht  es  mit  der  Klage,  welche  Kleon  gegen
Thukydides  erhob,  wie  man  nach  dem  sonst  oft  irrenden
Biographen  des  Geschichtschreibers  doch  anzunehmen  allen
Grund  hat. 6  Ueber  das  Maass  seiner  Schuld  abzuurtheilen,
ist  freilich  schwerer,  als  in  Aristophanes'  Fall.  Thukydides
selbst  gedenkt 7  seiner  Verbannung  aus  Athen  nach  Ablauf
der  zwanzig  Jahre,  die  sie  gedauert  hat,  ohne  Bitterkeit,  ja
mit  befriedigter  Hervorhebung  des  Vortheiles,  der  aus  derselben
seinem  Geschichtswerke  erwachsen  sei,  da  er  ,in  Ruhe'  durch

1  Acharner,  377  flgde,  502  flgde,  630  flgde  mit  dem  Scholion  zu  Vers  378
und  den  schönen  Bemerkungen  des  unvergesslichen  Meineke,  Fragmenta
II.  931  sqq.,  sowie  den  Ergänzungen  bei  Gilbert,  152  flgde.  Der  Sympathien ­
  für  die  Bundesgenossen  berühmt  er  sich  übrigens  selbst  noch  im
Frieden,  759:  ujzsp  uucov  TroXsjxi^cüy  ’AvxeTyov  asi  xat  xtov  aXXcov  vqcnov.
2  Auxoi  yap  sausv  outzi  Aijvaup  x’  aytov,  Koutüco  %ivoi  Tzapziaiv.  Acharner  503.
3  Gilbert  193  flgde.
4  ox’  arc§Eißop)V,  Ojxxo;  iyAtov  fii-fa  xsxpayoxa  0ec6(X£voi  sagt  er  in  seinem
verschämten  Berichte  in  den  ,Wespen 1  1286.
5  utlO  ti  p-ixpov  SKiO^xKra.  Ebendas.  1290.
6  Marcellinus  §.  46.  Gilbert  196.  Die  Einwendungen  gegen  die  Nachricht
sind  ohne  Belang.
7  V,  26,  5.
            
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