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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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Werner.

Die  unverkennbare  Vorliebe  Amari’s  für  Romagnosi  ist
nicht  bloss  im  gemeinsamen  Interesse  Beider  an  Vico  und  im
Zusammentreffen  des  kritischen  Urtheiles  über  denselben  in
einem  wichtigsten  Punkte,  sondern  in  noch  allgemeineren  Ursachen ­
  begründet.  Romagnosi  genoss  in  den  ersten  Jahrzehenden ­
  dieses  Jahrhunderts  grosses  Ansehen  als  einer  der
bedeutendsten  Rechtslehrer  Italiens,  und  hatte  besonders  auf
dem  von  Amari  speciell  gepflegten  Gebiete  des  Strafrechtes
sich  einen  Namen  gemacht;  seine  Schriften  gehörten  also  sicher
zu  denjenigen,  welche  Amari  in  der  Zeit  seines  ersten  literarischen ­
  Aufstrebens  am  eifrigsten  studirte.  Nebstbei  aber  musste
Letzterem,  der  dem  Sensualismus  eben  so  sehr,  wie  einem
abstract  verstiegenen  Idealismus  von  Hause  aus  abgeneigt
war,  die  vermittelnde  Richtung  Romagnosi’s  Zusagen,  der,  von
den  Anschauungen  eines  philosophischen  Transscendentalismus
grundsätzlich  abstrahirend,  die  äussere  und  innere,  sinnliche
und  psychische  Erfahrung  des  Menschen  als  die  Quelle  der
menschlichen  Vernunfterkenntniss  ansah.  Das  Grundwesen  der
menschlichen  Geisterkenntniss  wird  damit  freilich  nicht  aufgehellt; ­
  indess  auch  Amari  fühlte  kein  Bedürfniss  nach  Aufhellung ­
  desselben,  glaubt  vielmehr  ohne  Schaden  für  die  von
ihm  angebaute  Wissenschaft  der  vergleichenden  Gesetzeskunde
die  Frage  über  Wesen  und  Ursprung  der  menschlichen  Ideen
bei  Seite  stellen  zu  können.  Ihm  genügt  die  Thatsache  ihres
Vorhandenseins  als  Resultat  der  geschichtlichen  Existenz  des
Menschen,  die  als  solche  selbstverständlich  und  nothwendig  die
Macht  der  geistigen  und  moralischen  Selbstentwickelung  der
Menschengattung  in  sich  trägt.  Die  Bedingungen,  unter  welchen
die  sociale  Existenz  des  Menschen  sich  zur  geschichtlichen
Existenz  fortbilde,  hat  freilich  Amari  eben  so  wenig  als  Romagnosi ­
  aufgehellt;  von  dem  Vorhandensein  uncivilisirter  und
civilisatorischen  Einflüssen  widerstrebender  Menschengemeinschaften ­
  hat  er  völlig  abstrahirt,  obschon  das  Vorhandensein
dieser  nicht  bloss  seine  Ansicht  von  der  gleichsam  naturnothwendigen
  Entstehung  der  Civilisation  als  ungenügend  erscheinen
lässt,  sondern  sogar  die  von  ihm  postulirte  und  behauptete
Gleichartigkeit  und  Wesensgemeinschaft  der  Menschengattung
in  Frage  zu  stellen  droht.  Die  Ideen  sind  die  Grundmächte
der  Civilisation;  gibt  es  menschliche  Genossenschaften,  in  deren
            
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