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Werner.
Die unverkennbare Vorliebe Amari’s für Romagnosi ist
nicht bloss im gemeinsamen Interesse Beider an Vico und im
Zusammentreffen des kritischen Urtheiles über denselben in
einem wichtigsten Punkte, sondern in noch allgemeineren Ursachen
begründet. Romagnosi genoss in den ersten Jahrzehenden
dieses Jahrhunderts grosses Ansehen als einer der
bedeutendsten Rechtslehrer Italiens, und hatte besonders auf
dem von Amari speciell gepflegten Gebiete des Strafrechtes
sich einen Namen gemacht; seine Schriften gehörten also sicher
zu denjenigen, welche Amari in der Zeit seines ersten literarischen
Aufstrebens am eifrigsten studirte. Nebstbei aber musste
Letzterem, der dem Sensualismus eben so sehr, wie einem
abstract verstiegenen Idealismus von Hause aus abgeneigt
war, die vermittelnde Richtung Romagnosi’s Zusagen, der, von
den Anschauungen eines philosophischen Transscendentalismus
grundsätzlich abstrahirend, die äussere und innere, sinnliche
und psychische Erfahrung des Menschen als die Quelle der
menschlichen Vernunfterkenntniss ansah. Das Grundwesen der
menschlichen Geisterkenntniss wird damit freilich nicht aufgehellt;
indess auch Amari fühlte kein Bedürfniss nach Aufhellung
desselben, glaubt vielmehr ohne Schaden für die von
ihm angebaute Wissenschaft der vergleichenden Gesetzeskunde
die Frage über Wesen und Ursprung der menschlichen Ideen
bei Seite stellen zu können. Ihm genügt die Thatsache ihres
Vorhandenseins als Resultat der geschichtlichen Existenz des
Menschen, die als solche selbstverständlich und nothwendig die
Macht der geistigen und moralischen Selbstentwickelung der
Menschengattung in sich trägt. Die Bedingungen, unter welchen
die sociale Existenz des Menschen sich zur geschichtlichen
Existenz fortbilde, hat freilich Amari eben so wenig als Romagnosi
aufgehellt; von dem Vorhandensein uncivilisirter und
civilisatorischen Einflüssen widerstrebender Menschengemeinschaften
hat er völlig abstrahirt, obschon das Vorhandensein
dieser nicht bloss seine Ansicht von der gleichsam naturnothwendigen
Entstehung der Civilisation als ungenügend erscheinen
lässt, sondern sogar die von ihm postulirte und behauptete
Gleichartigkeit und Wesensgemeinschaft der Menschengattung
in Frage zu stellen droht. Die Ideen sind die Grundmächte
der Civilisation; gibt es menschliche Genossenschaften, in deren