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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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W  e  r  n  61*.

durch  Aufzeigung  seiner  partiellen  Berührungen  mit  Campanella
  und  Machiavelli  ersichtlich  gemacht  zu  haben.
Amari  geht  über  Vico  hinaus,  sofern  er  die  fortschreitende ­
  Entwickelung  des  menschlichen  Geschlechtes  vertritt;
diese  selber  ist  ihm  wieder  durch  seine  Lehre  von  der  Culturüberlieferung
  bedingt,  in  welcher  er  das  Correetiv  der  irrigen
Anschauungen  Vico’s  über  die  gleichsam  autochthone  Selbstentwickelung ­
  der  alten  Völker  sieht.  Als  Vorläufer  seiner
eigenen  Anschauung  über  die  progressive  Entwickelung  der
Menschheit  bezeichnet  er  Romagnosi,  der  zwischen  Vico  und
Centofanti  stehend  zu  Denjenigen  gehöre,  welche  über  die
Wissenschaft  der  Geschichte  die  tiefstgehenden  Gedanken  entwickelt ­
  haben. 1  Er  hat  an  ihm  nur  diess  auszuset-zen,  dass
derselbe,  um  für  die  geschichtliche  Begründung  der  Idee  der
Culturüberlieferung  eine  feste  Basis  zu  gewinnen,  ein  civilisirtes
  Urvolk  annimmt,  welches  durch  ein  Zusammenwirken
günstigster  Umstände  seine  Civilisation  durch  sich  selbst  errang
(popolo  auto-civile).  Indess  abgesehen  davon,  dass  Romagnosi
mit  einer  derartigen  Annahme  nicht  allein  stehe,  indem  auch
Gioberti  und  C.  Balbo  vom  Standpunkte  der  Offenbarungsgläubigkeit ­
  den  semitischen  Stamm  für  den  Grundträger  aller
Cultur  ansahen,  liege  seiner  Annahme  ein  Gedanke  allgemeinerer ­
  Art  zu  Grunde,  dessen  verfehlte  Ausbildung  sich  leicht
corrigiren  lasse.  Romagnosi  schreibt  einem  bestimmten  besonderen ­
  Volke  zu,  was  eigentlich  nur  eine  Grundthat  aller  ersten
Völker  (proto-popoli)  ist;  alle  ersten  Völker  sind,  was  sie  als
Anfänger  in  der  Civilisation  waren,  dadurch  geworden,  dass  überhaupt ­
  das  Bedürfniss  geregelter  Wechselbeziehungen  zwischen
Menschen,  welche  sich  an  einander  gewiesen  sehen,  von  selber
die  Anfänge  einer  bestimmten  Ordnung  schafft,  deren  weitere
Entwickelung  in  der  Fortdauer  und  Erweiterung  des  Verkehres
der  Geeinigten  unter  einander  und  zu  anderen  in  ähnlicher
Weise  Geeinigten  in  Kraft  der  durch  diesen  Verkehr  geweckten ­
  und  sich  weiter  entwickelnden  Ideen  sich  von  selber
ergibt.  Niemand  zeige  besser,  als  Romagnosi  selber,  wie  diese

1  Critica,  p.  401  ff.  Amari  verweist  auf  die  zu  Mailand  1841  erschienene
Gesammtansgabe  der  Schriften  Romagnosi’s,  von  welchen  er  die  hieher
gehörigen  speeiell  angibt  (Critica,  p.  402,  Anm.  1).
            
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