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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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W  erner.

nothwendigkeit  wird  dieselbe  erst  auf  Grund  der  aus  den  Tiefen
des  philosophischen  Erkennens  geschöpften  Auffassungsweise
Centafanti’s.  Dieser  setzt  sich  zur  Aufgabe,  das  historische
Factum  zur  Höhe  einer  philosophischen  Möglichkeit  zu  erheben;
wenn  nun  die  philosophische  Möglichkeit  des  singulären  Factums
sich  durch  seinen  Zusammenhang  mit  der  Gesammtheit  alles
Geschehens  erhärtet,  so  ist  damit  seine  Verflechtung  mit  derselben ­
  als  denknothwendig  erwiesen.  Centofanti  unterscheidet
vier  Stufen  der  Erkenntniss  einer  historischen  Thatsache.  Die
erste  unterste  Stufe  wird  in  der  unmittelbaren  Anschauung  des
Factums  eingenommen,  welche  bei  der  Vorstellung  der  äusseren
Erklärungsursachen  desselben  stehen  bleibt;  indess  schon  in
dieser  aus  äusseren  zufälligen  Erklärungsgründen  geschöpften
Erkenntniss  leuchte  bereits,  wenn  auch  noch  so  unvollkommen,
die  Apperception  eines  allgemeinen  Zusammenhanges  alles  Geschehens ­
  durch.  Das  Verständniss  desselben  steigert  sich  durch
Erhebung  zur  Erkenntniss  der  inneren  Gründe  des  Factums,
aus  welchen  die  rationale  Möglichkeit  desselben  begriffen  wird.
Von  dieser  zweiten  Stufe  erhebt  sich  das  Denken  zur  dritten
in  der  Erkenntniss  der  ersten  grundhaften  Ursachen  des  Factums,
aus  welchen  das  scientifische  Verständniss  desselben  resultirt.
Auf  der  vierten  Stufe  endlich  erhebt  sich  der  Gedanke  zur
Ursache  der  Ursachen,  oder  absolut  ersten  Ursache,  welche  in
ihrer  unendlichen  Einheit  alle  Ursachen  in  sich  fasst,  damit
ei’schliesst  sich  die  Erkenntniss  der  philosophischen  Möglichkeit
alles  Geschehens.  Diesen  vier  Erkenntnissformen  entsprechen
vier  Auffassungs-  und  Darstellungsweisen  der  Geschichte.  In
jeder  derselben  ist  aber  der  Gedanke  einer  wesentlichen  Verknüpfung ­
  der  Facta  die  herrschende  Grundidee.  Beweist  aber
diese  ideologische  Geschichtstheorie  Centofanti's  den  von  Amari
urgirten  äusseren,  auf  Culturüberlieferung  beruhenden  Zusammenhang ­
  in  der  Völkergeschichte?  Sie  scheint  weit  eher  aus
einer  philosophischen  Meditation  über  die  von  Vico  selber
construirte  Anschauung  der  vielortigen  Anfänge  aller  Völkergeschichte ­
  herausgewachsen  zu  sein,  und  schliesst  jedenfalls
—  bemerkt  Amari  hiezu  —  sono  manifestamente  la  tradizione  nostra,  e
sotto  questo  aspetto  la  scienza  dell’  umanita  o  sia  la  filosofia  della  storia
merita  giustamente  il  norae  di  scienza  dell’  incivilimento,  che  suona  tradizione, ­
  Propaganda,  progresso.  Critica,  p.  419.
            
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