Emerico Amari in seinem Verhältnis zu G. B. Vico.
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sich um das lebendige selbstige Princip der Einzel- und Völkerindividualitäten,
durch welche die humanitäre Entwickelung
der Menschheit getragen sein muss. Nur unter Voraussetzung
eines solchen Principes lässt sich die Kreislaufstheorie Vico’s
überwinden, welche auf einer vom Persönlichkeitsprincip völlig
absehenden Anschauung der menschlichen Wesensnatur ruht;
nur unter Voraussetzung jenes Principes lässt es sich begreiflich
machen, wesshalb das im Elemente des Göttlichen sich selbst
fassende Leben der Menschheit den auf das antike Leben
thatsäehlich drückenden Fatalismus überwinden, und die das
sinnliche Naturdasein beherrschende Kreisläufigkeit, in welche
das antike Völkerleben hineingezogen war, in eine fortschreitende
Bewegung zu verwandeln im Stande war. Das im Lichte
der christlichen Geistanschauung sich vollziehende Ergreifen
des Unendlichen hebt das menschliche Dasein über die das
sinnliche Zeitdasein beherrschenden Relationen des Endlichen
empor, und gibt ihm die Richtung auf feste unwandelbare
Ziele über dem Bereiche der ruhelos in sich selber kreisenden
Welt des Endlichen.
Der Mangel eines selbstigen Principes als Trägers der
fortschreitenden Entwickelung erweckt im vorhinein die Vermuthung,
dass letztere mehr, als zulässig ist, von äusseren
Einwirkungen auf die seelische Innerlichkeit des Menschen
abhängig gemacht werde. Wir fanden uns an einem anderen
Orte bewogen, die allgemeine Denkanschauung Vico’s als einen
von idealen Inspirationen durchgeisteten empiristischen Realismus
zu bezeichnen. Diesem scheint auch der von Vico’s Anschauungsweise
gefesselte Amari huldigen zu wollen; nur dass
er anstatt der von Vico urgirten unmittelbaren Berührung der
seelischen Innerlichkeit durch die verborgene Macht des Göttlichen
vorwiegend den geistweckenden und bildenden Einfluss
der Erziehung und civilisatorischen Ueberlieferung betont, weil
er die durch Vico in Frage gestellte zeitliche Continuität und
geschichtliche Solidarität der menschheitlichen Entwickelung
zur Geltung bringen will. Seine erkenntnisstheoretischen Grundanschauungen
decken sich so ziemlich mit jenen Vico’s; 1 er
fusst auf der durch Vico fixirten Grundunterscheidung zwischen
1 Critica, p. 14 ff.