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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Emerico  Amari  in  seinem  Verhältnis  zu  G.  B.  Vico.

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sich  um  das  lebendige  selbstige  Princip  der  Einzel-  und  Völkerindividualitäten, ­
  durch  welche  die  humanitäre  Entwickelung
der  Menschheit  getragen  sein  muss.  Nur  unter  Voraussetzung
eines  solchen  Principes  lässt  sich  die  Kreislaufstheorie  Vico’s
überwinden,  welche  auf  einer  vom  Persönlichkeitsprincip  völlig
absehenden  Anschauung  der  menschlichen  Wesensnatur  ruht;
nur  unter  Voraussetzung  jenes  Principes  lässt  es  sich  begreiflich
machen,  wesshalb  das  im  Elemente  des  Göttlichen  sich  selbst
fassende  Leben  der  Menschheit  den  auf  das  antike  Leben
thatsäehlich  drückenden  Fatalismus  überwinden,  und  die  das
sinnliche  Naturdasein  beherrschende  Kreisläufigkeit,  in  welche
das  antike  Völkerleben  hineingezogen  war,  in  eine  fortschreitende ­
  Bewegung  zu  verwandeln  im  Stande  war.  Das  im  Lichte
der  christlichen  Geistanschauung  sich  vollziehende  Ergreifen
des  Unendlichen  hebt  das  menschliche  Dasein  über  die  das
sinnliche  Zeitdasein  beherrschenden  Relationen  des  Endlichen
empor,  und  gibt  ihm  die  Richtung  auf  feste  unwandelbare
Ziele  über  dem  Bereiche  der  ruhelos  in  sich  selber  kreisenden
Welt  des  Endlichen.
Der  Mangel  eines  selbstigen  Principes  als  Trägers  der
fortschreitenden  Entwickelung  erweckt  im  vorhinein  die  Vermuthung,
  dass  letztere  mehr,  als  zulässig  ist,  von  äusseren
Einwirkungen  auf  die  seelische  Innerlichkeit  des  Menschen
abhängig  gemacht  werde.  Wir  fanden  uns  an  einem  anderen
Orte  bewogen,  die  allgemeine  Denkanschauung  Vico’s  als  einen
von  idealen  Inspirationen  durchgeisteten  empiristischen  Realismus ­
  zu  bezeichnen.  Diesem  scheint  auch  der  von  Vico’s  Anschauungsweise ­
  gefesselte  Amari  huldigen  zu  wollen;  nur  dass
er  anstatt  der  von  Vico  urgirten  unmittelbaren  Berührung  der
seelischen  Innerlichkeit  durch  die  verborgene  Macht  des  Göttlichen ­
  vorwiegend  den  geistweckenden  und  bildenden  Einfluss
der  Erziehung  und  civilisatorischen  Ueberlieferung  betont,  weil
er  die  durch  Vico  in  Frage  gestellte  zeitliche  Continuität  und
geschichtliche  Solidarität  der  menschheitlichen  Entwickelung
zur  Geltung  bringen  will.  Seine  erkenntnisstheoretischen  Grundanschauungen ­
  decken  sich  so  ziemlich  mit  jenen  Vico’s;  1  er
fusst  auf  der  durch  Vico  fixirten  Grundunterscheidung  zwischen

1  Critica,  p.  14  ff.
            
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