Manetho und Diodor.
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Für die beobachteten That,Sachen gibt es, unserer Ansicht
nach, nur eine einzige Erklärung. Den Grundfehler der Liste
Herodots hatte Diodor, dem, wie wir gesehen haben, eine
vortreffliche Quelle zur Verfügung stand, richtig erkannt:
Einerseits, dass von den ersten 330 Königen nichts überliefert
war, während von den folgenden zehn mehr oder minder ausführliche
Berichte Vorlagen; anderseits, dass Könige an einander
geschlossen wurden, die durch lange Zwischenräume von einander
getrennt waren. Trotzdem galt dem Diodor, wie bemerkt,
für die ägyptische Geschichte der Vater der Historiographie
als verlässliche Quelle. Wir werden dies begreiflich
finden, wenn wir bedenken, dass Herodot, trotz aller Betonung
ägyptischer Einflüsse auf die griechische Culturentwickelung,
dennoch als Grieche für Griechen schrieb, während der Verfasser
der Hauptquelle Diodors, wiewohl sie für Griechen geschrieben
war, als Aegypter einen fremdartigen Standpunkt
einnahm. Für einen Aegypter, der am Hofe der Ptolemäer
schrieb, hatte eine Reihe von Fragen eine hohe Bedeutung,
welche für Diodor von gar keinem Belange waren. Was
Manetho von dem Auszuge der Juden, von dem Einfalle der
Herusä und der Hyksos, von den inneren Bewegungen des
ägyptischen staatlichen Lebens, von den Kämpfen der Königsniacht
gegen unabhängige Vasallen, von der Einführung neuer
Culte, von Umwälzungen auf religiösem Gebiete in knapper,
quellenmässiger Form, wie dies uns die erhaltenen Fragmente
bei Josephus darthun, erzählt hatte, war für Diodor und seinen
Leserkreis ganz unbrauchbar. So entschloss er sich, den goldenen
Mittelweg einzuschlagen, was bei Geistern seiner Art
ein beliebtes Auskunftsmittel jederzeit gewesen ist. Die ihm
vorliegenden Manetlionischen Königsreihen hat er, unter Beifügung
einzelner Zuthaten aus anderen Autoren, mit den Herodoteischen
zu einer buntscheckigen Geschichtsdarstellung verschmolzen.
Diodor gibt uns selbst die Mittel an die Hand, die Art
seines Vorganges näher zu bestimmen. Als den Nachfolger des
Mendes, den auch einige Marros nennen, bezeichnet er (c. 62, 1)
König Ketes. Es ist von Lauth 1 sehr wahrscheinlich gemacht
1 Siphthas und Amemneses, p. 63.
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