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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Manetho  und  Diodor.

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Für  die  beobachteten  That,Sachen  gibt  es,  unserer  Ansicht
nach,  nur  eine  einzige  Erklärung.  Den  Grundfehler  der  Liste
Herodots  hatte  Diodor,  dem,  wie  wir  gesehen  haben,  eine
vortreffliche  Quelle  zur  Verfügung  stand,  richtig  erkannt:
Einerseits,  dass  von  den  ersten  330  Königen  nichts  überliefert
war,  während  von  den  folgenden  zehn  mehr  oder  minder  ausführliche ­
  Berichte  Vorlagen;  anderseits,  dass  Könige  an  einander
geschlossen  wurden,  die  durch  lange  Zwischenräume  von  einander ­
  getrennt  waren.  Trotzdem  galt  dem  Diodor,  wie  bemerkt, ­
  für  die  ägyptische  Geschichte  der  Vater  der  Historiographie ­
  als  verlässliche  Quelle.  Wir  werden  dies  begreiflich
finden,  wenn  wir  bedenken,  dass  Herodot,  trotz  aller  Betonung
ägyptischer  Einflüsse  auf  die  griechische  Culturentwickelung,
dennoch  als  Grieche  für  Griechen  schrieb,  während  der  Verfasser ­
  der  Hauptquelle  Diodors,  wiewohl  sie  für  Griechen  geschrieben ­
  war,  als  Aegypter  einen  fremdartigen  Standpunkt
einnahm.  Für  einen  Aegypter,  der  am  Hofe  der  Ptolemäer
schrieb,  hatte  eine  Reihe  von  Fragen  eine  hohe  Bedeutung,
welche  für  Diodor  von  gar  keinem  Belange  waren.  Was
Manetho  von  dem  Auszuge  der  Juden,  von  dem  Einfalle  der
Herusä  und  der  Hyksos,  von  den  inneren  Bewegungen  des
ägyptischen  staatlichen  Lebens,  von  den  Kämpfen  der  Königsniacht
  gegen  unabhängige  Vasallen,  von  der  Einführung  neuer
Culte,  von  Umwälzungen  auf  religiösem  Gebiete  in  knapper,
quellenmässiger  Form,  wie  dies  uns  die  erhaltenen  Fragmente
bei  Josephus  darthun,  erzählt  hatte,  war  für  Diodor  und  seinen
Leserkreis  ganz  unbrauchbar.  So  entschloss  er  sich,  den  goldenen ­
  Mittelweg  einzuschlagen,  was  bei  Geistern  seiner  Art
ein  beliebtes  Auskunftsmittel  jederzeit  gewesen  ist.  Die  ihm
vorliegenden  Manetlionischen  Königsreihen  hat  er,  unter  Beifügung ­
  einzelner  Zuthaten  aus  anderen  Autoren,  mit  den  Herodoteischen
  zu  einer  buntscheckigen  Geschichtsdarstellung  verschmolzen. ­

Diodor  gibt  uns  selbst  die  Mittel  an  die  Hand,  die  Art
seines  Vorganges  näher  zu  bestimmen.  Als  den  Nachfolger  des
Mendes,  den  auch  einige  Marros  nennen,  bezeichnet  er  (c.  62,  1)
König  Ketes.  Es  ist  von  Lauth  1  sehr  wahrscheinlich  gemacht

1  Siphthas  und  Amemneses,  p.  63.

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