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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Manetho  und  Diodor.

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spätere'  Periode  ägyptischer  Geschichte  fallen  müssen,  die  Erbauer ­
  der  Pyramiden,  welche  der  ältesten  Geschichte  Aegyptens ­
  angehören.  Anderseits  finden  wir,  dass  unter  den  330  Königen ­
  auch  achtzehn  Aethiopen  erscheinen.  Schon  Büdinger 1  hat
dargethan,  dass  diese  auf  einen  Irrthum  Herodots  zurückgehen
und  statt  dessen  nur  Drei  zu  lesen  sind,  die  dem  Aufkommen
der  Saiten  vorangingen.  Wir  sehen,  die  Liste  reicht  bis  auf  die
Dodekarchie  herab  und  hat  daher  keinen  Raum  für  den  Anschluss
weiterer  zehn  Könige,  von  denen  einige  überhaupt  nicht  an  das
Ende,  sondern  direct  an  den  Anfang  der  Liste  gehörten.  2  Unmöglich ­
  konnten  ägyptische  Priester  —  und  doch  führt  er  dieselben ­
  als  Quelle  seiner  Reihe  an  ■—  Herodot  ein  solches  Machwerk ­
  überliefern;  es  bleibt  sonach  nur  die  Möglichkeit  übrig,
dass  Herodot,  als  er  daran  ging,  die  in  Aegypten  aufgezeichneten
Beobachtungen  zu  seinen  Aiyutrrtoi  Aöyo!  zu  verarbeiten,  irrthümlicherweise
  die  zweite  Liste  an  die  erste  angeschlossen  hat,
während  jene  in  der  That  ganz  unabhängig  von  dieser  entstanden ­
  war.
Fassen  wir  die  zweite  kleinere  Liste  ägyptischer  Könige
ins  Auge,  so  zeigt  sich,  dass  sie  historisch  unmöglich  ist,  weil
sie  die  Pyramidenerbauer  erst  nach  dem  trojanischen  Kriege
aufführt,  sie  also  um  über  zweitausend  Jahre  zu  spät  ansetzt.
Diese  Verschiebung  der  Pyramidenerbauer,  welche  bis  in  den
Anfang  unseres  Jahrhunderts  massgebend  geblieben  ist,  geht
auf  einen  eigenthümlichen  Irrtlium  Herodot’s  zurück.  Wenn
wir  die  Notizen,  welche  den  einzelnen  Königen  beigefügt  sind,
durchgehen,  so  linden  wir,  dass  sie  mit  Vorliebe  an  den  Tempel
des  Ptah  zu  Memphis  anknüpfen.  So  erfahren  wir,  dass  Möris
die  nördlichen,  Proteus  die  südlichen,  Rhampsinit  die  'westlichen, ­
  Asychis  die  östlichen  Vorhöfe  (xpoTcüXaca)  des  Tempels
erbaut  habe. 3  So  sind  in  der  That  die  riesigen  ägyptischen
Tempel  entstanden;  Jahrhunderte,  ja  Jahrtausende  haben  an
denselben  gebaut.  Auch  Sesostris  hat  zu  dem  Ausbau  des
Ptahtempels  beigetragen;  die  unterworfenen  Volkstheile,  die
er  nach  Aegypten  verpflanzte,  mussten  grosse  Steine  in  den

1  Zur  ägyptischen  Forschung  Herodots,  p.  18.
2  Lepsius,  Chronologie,  255  f.
3  II,  101,  112,  121,  136.
            
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