Manetho und Diodor.
267
schäftig'ung mit seinem Vorgänger voraus und wir werden
wohl den grössten Theil der Stellen der Theile des ersten
Buches Diodors, die sich nicht speciell mit der Geschichte
Aegyptens beschäftigen, welche neben grossen Uebereinstimmungen
mit den Berichten Herodots dennoch im Einzelnen
Abweichungen und Correcturen zeigen, 1 auf Manetho zurückzuführen
haben.
Die Quellen für die Ausführung über den Ursprung des
Nils und die Gründe seiner Ueberschwemmung werden von
Diodor ausdrücklich genannt; die Reichhaltigkeit derselben bezeugt
seine eingehende Beschäftigung mit diesen Problemen.
Für unseren Zweck genügt es auf einen Punkt hinzuweisen:
die Ansicht des Ephoros wird als VMwartÜttj aufgeführt. 2 Bedeutet
der Ausdruck ,die neueste 4 oder ,die sonderbarste 4 ?
Gleich auf die Ansicht des Ephoros folgt die von ,Philosophen
aus Memphis 4 , deren Namen jedoch nicht genannt sind. Dies
macht es wahrscheinlich, dass darunter ägyptische Philosophen,
d. h. Priester zu verstehen sind, da es Diodor bei griechischen
Gelehrten nicht unterlassen hätte sie namentlich aufzuführen.
An die Philosophen von Memphis schliessen sich Oenopides und
Agatharchides an. Wie, wenn Diodor die Aufzählung der Ansichten
über den Nil, welche den Ausführungen der memphitischen
Philosophen vorangingen, der Quelle entnommen hätte, der er
sonst mit Vorliebe folgte, also, wie wir nun sagen können,
Manetho, und er daran die folgenden des Oenopides und
Agatharchides angeschlossen hätte! Für Manetho war die Ansicht
des Ephoros in der That die ,neueste 4 xatvotot»), für
Diodor, der diesen Ausdruck aus seiner Quelle herübernahm
dagegen die sonderbarste 4 .
Bemerkenswerth ist es, wenn Diodor bei den Ausführungen,
die er mit der Bemerkung einleitet, die Nachrichten über die
ägyptischen Gottheiten lauteten sehr verschieden, von Sarapis
die echt manethonisclie Ansicht 3 (wie wir aus Plutarch 1 wissen)
und nur diese aufzählt, während wir doch z. B. aus Tacitus
1 S. oben p. 242.
2 I, 39, 7.
3 I, 25, 2.
4 De Is. ac Osir. e. 28.