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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Emerico  Amari  in  seinem  Verhältniss  zn  G.  B.  Vico.

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beschränken,  und  kann  den  Fortbestand  des  zeitlichen  Erdendaseins ­
  der  Menschheit  nach  Vollzug  der  Erlösungsthatsache,
welcher  mit  dem  Abschluss  der  alten  vorchristlichen  Zeit  und
Welt  zusammenfällt,  nur  durch  Gründe  ethisch-religiöser  Natur
motiviren,  die  jedoch  ihr  Gewicht  zum  grossen  Theile  verlieren,
wenn  die  christliche  Zeit  und  Welt  denselben  Entwickelungsgesetzen ­
  wie  die  vorchristliche  unterliegt,  und  sonach  eine
durchgreifende  Umwandlung  und  Besserung  der  zeitlichen
Menschheitszustände  in  Kraft  des  christlichen  Geistes  nicht  zu
hoffen  ist.  Hier  greift  nun  Amari  entschieden  corrigirend  und
umbildend  in  den  Denkzusammenhang  der  universalgeschichtlichen ­
  Anschauungen  Vico’s  ein, 1  und  betont  mit  allem  Nachdruck
den  conti  nuirlichen  regenerativen  Einfluss  des  Christenthums  auf
die  menschliche  Gesellschaft.  Durch  das  Christenthum  ist  nach
seiner  innigsten  Ueberzeugung  der  Grund  zu  einem  continuirlichen
  Fortschritt  der  Menschheit  gelegt  worden.  Wie  seine
Selbsteinführung  in  die  Welt  die  grösste  aller  Umwälzungen
im  Leben  der  Menschheit  war,  so  enthält  es  auch  in  seinen
Dogmen  alle  Principien  einer  tiefsten  Begründung  des  wahren
und  ächten  Fortschrittes;  unter  diesen  ist  aber  wesentlichst
das  Traditionsprincip  als  die  eigentlichste  Unterlage  eines  continuirlichen
  Fortschreitens  zum  Besseren  hervorzuheben.  Die
Tradition  bedeutet  bei  Amari,  wie  wir  bereits  wissen,  nach
ihrem  gemeinmenschlichen  Wesen  die  Ueberlieferung  der  Güter
der  Civilisation  von  einem  Zeitalter  auf  das  andere,  unter
perpetuirlichem  Zuwachse  der  speciellen  Errungenschaften  jedes
einzelnen  Volkes  und  Zeitalters  zum  Gemeingute  der  Ueberlieferung. ­
  Indem  das  Christenthum  einen  Gesammtverband  der
Menschheit  statuirt  und  denselben  als  Familieneinheit  auffassen
lehrt,  macht  es  principiell  die  Civilisationsüberlieferungen  zu
einem  Gesammtgute  der  Menschheit;  es  verschafft  überdiess
durch  seine  Lehre  von  einer  providentiellen  Leitung  der  menschlichen ­
  Geschicke  die  trostvolle  Ueberzeugung  von  der  Möglichkeit ­
  und  Wirklichkeit  eines  stetigen  Fortschreitens  der  Menschheit ­
  zum  Besseren,  und  leitet  durch  seine  hohen,  unendlich
tiefen  Anschauungen  zu  einer  richtigen,  von  chimärischen

1  Critica,  p.  367  f.
            
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