Emerico Amari in seinem Verhältniss zn G. B. Vico.
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beschränken, und kann den Fortbestand des zeitlichen Erdendaseins
der Menschheit nach Vollzug der Erlösungsthatsache,
welcher mit dem Abschluss der alten vorchristlichen Zeit und
Welt zusammenfällt, nur durch Gründe ethisch-religiöser Natur
motiviren, die jedoch ihr Gewicht zum grossen Theile verlieren,
wenn die christliche Zeit und Welt denselben Entwickelungsgesetzen
wie die vorchristliche unterliegt, und sonach eine
durchgreifende Umwandlung und Besserung der zeitlichen
Menschheitszustände in Kraft des christlichen Geistes nicht zu
hoffen ist. Hier greift nun Amari entschieden corrigirend und
umbildend in den Denkzusammenhang der universalgeschichtlichen
Anschauungen Vico’s ein, 1 und betont mit allem Nachdruck
den conti nuirlichen regenerativen Einfluss des Christenthums auf
die menschliche Gesellschaft. Durch das Christenthum ist nach
seiner innigsten Ueberzeugung der Grund zu einem continuirlichen
Fortschritt der Menschheit gelegt worden. Wie seine
Selbsteinführung in die Welt die grösste aller Umwälzungen
im Leben der Menschheit war, so enthält es auch in seinen
Dogmen alle Principien einer tiefsten Begründung des wahren
und ächten Fortschrittes; unter diesen ist aber wesentlichst
das Traditionsprincip als die eigentlichste Unterlage eines continuirlichen
Fortschreitens zum Besseren hervorzuheben. Die
Tradition bedeutet bei Amari, wie wir bereits wissen, nach
ihrem gemeinmenschlichen Wesen die Ueberlieferung der Güter
der Civilisation von einem Zeitalter auf das andere, unter
perpetuirlichem Zuwachse der speciellen Errungenschaften jedes
einzelnen Volkes und Zeitalters zum Gemeingute der Ueberlieferung.
Indem das Christenthum einen Gesammtverband der
Menschheit statuirt und denselben als Familieneinheit auffassen
lehrt, macht es principiell die Civilisationsüberlieferungen zu
einem Gesammtgute der Menschheit; es verschafft überdiess
durch seine Lehre von einer providentiellen Leitung der menschlichen
Geschicke die trostvolle Ueberzeugung von der Möglichkeit
und Wirklichkeit eines stetigen Fortschreitens der Menschheit
zum Besseren, und leitet durch seine hohen, unendlich
tiefen Anschauungen zu einer richtigen, von chimärischen
1 Critica, p. 367 f.