Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Alanetho  und  Diodor.

259

Fremde  Anschauungen  dringen  bei  einem  Volke  nur  dann
ein  und  sind  im  Stande  in  dessen  Ideenwelt  einen  dauernden
Platz  sich  zu  erobern,  wenn  sie  an  schon  bestehende,  ihnen
analoge  und  verwandte  Vorstellungen  anknüpfen,  dieselben  erweitern ­
  oder  neugestalten  können.  So  haben  wir  anderswo 1
an  einer  Reihe  von  Beispielen  beobachtet,  wie  das  Christenthum ­
  in  den  Gemüthern  des  ägyptischen  Volkes  durch  Verschmelzung ­
  mit  ihm  ähnlichen  Anschauungen  tiefe  Wurzel
gefasst  hat.  So  knüpft  auch  die  Lehre  von  den  vier  Doppelelementen,
  die  unter  Einfluss  der  griechischen  Philosophie  auf
den  Wänden  ägyptischer  Tempel  eine  symbolische  Darstellung
gefunden  hat,  an  schon  bestehende  Vorstellungen  an.  Der
Sarkophag  des  Unnofer  in  Bulaq 2  zeigt  uns,  dass  die  Viertheilung ­
  ,Feuer,  Luft,  Erde  und  Wasser'  als  Grundbedingung
menschlicher  Existenz  auch  den  alten  Aegyptern,  gegenwärtig
geworden  war.  Auf  dem  Sargdeckel  werden  uns  nämlich  die
grossen  Götter  Rä  (Sonne,  Feuer),  Su  (Luft),  Seb  (Erde),  Osiris
(Nil,  Wasser)  aufgezählt  als  Spender  dei'jenigen  Dinge,  die
dem  Menschen  zum  Leben  unumgänglich  nothwendig  sind, 3
Licht,  Luft,  Speise  und  Trank.  Von  dieser  naiven  Auffassung 4
bis  zu  den  Speculationen  griechischer  Denker  ist  noch  ein
weiter  Weg,  den  die  ägyptische  Philosophie  auf  organischem
Wege  zurückzulegen  nicht  im  Stande  war.
,Den  Elementen  pflegen  in  einigen  Listen  gleichsam  als
Anführer  bestimmte  Gottheiten  voranzugehen.  So  erscheint
der  Sonnengott  Rä  mit  dem  Discus  und  dem  Uräus  auf  dem
Kopfe  als  Kind  dargestellt,  den  Finger  an  den  Mund  führend,
sitzend  auf  einer  Lotusblume,  welche  auf  dem  Zeichen  des
Wassers  ^—r  ruht 5  Aehnlich  wird  in  anderen  Listen  Amon

1  T.  O.  p.  64.
2  Brugsch  in  der  Aeg.  Z.  1868,  p.  122  f.
3  Lepaiua  in  der  Aeg.  Z.  1868,  p.  127.
4  Brugacli  macht  1.  1.  p.  124  auf  die  Varianten,  die  uns  der  Papyrus  Rhind
bietet,  aufmerksam;  als  Bezeichnung  der  Erde  finden  wir  den  Ausdruck
,Gefäss  der  Dinge 1 ,  der  sich  vollkommen  deckt  mit  dem
diodorischen  xijv  8s  yijv  wajtsp  a^ystov  ti  twv  cpuop-fvtov  (I,  12,  4).
Die  Quelle,  der  Diodor  folgte,  zeigt  sich  auch  hier  in  ägyptischen  Dingen
vollkommen  unterrichtet.
5  Lepsius  1.  1.  p.  192.

•  I  AAAAAA'Ü'  Li

17*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.