Alanetho und Diodor.
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Fremde Anschauungen dringen bei einem Volke nur dann
ein und sind im Stande in dessen Ideenwelt einen dauernden
Platz sich zu erobern, wenn sie an schon bestehende, ihnen
analoge und verwandte Vorstellungen anknüpfen, dieselben erweitern
oder neugestalten können. So haben wir anderswo 1
an einer Reihe von Beispielen beobachtet, wie das Christenthum
in den Gemüthern des ägyptischen Volkes durch Verschmelzung
mit ihm ähnlichen Anschauungen tiefe Wurzel
gefasst hat. So knüpft auch die Lehre von den vier Doppelelementen,
die unter Einfluss der griechischen Philosophie auf
den Wänden ägyptischer Tempel eine symbolische Darstellung
gefunden hat, an schon bestehende Vorstellungen an. Der
Sarkophag des Unnofer in Bulaq 2 zeigt uns, dass die Viertheilung
,Feuer, Luft, Erde und Wasser' als Grundbedingung
menschlicher Existenz auch den alten Aegyptern, gegenwärtig
geworden war. Auf dem Sargdeckel werden uns nämlich die
grossen Götter Rä (Sonne, Feuer), Su (Luft), Seb (Erde), Osiris
(Nil, Wasser) aufgezählt als Spender dei'jenigen Dinge, die
dem Menschen zum Leben unumgänglich nothwendig sind, 3
Licht, Luft, Speise und Trank. Von dieser naiven Auffassung 4
bis zu den Speculationen griechischer Denker ist noch ein
weiter Weg, den die ägyptische Philosophie auf organischem
Wege zurückzulegen nicht im Stande war.
,Den Elementen pflegen in einigen Listen gleichsam als
Anführer bestimmte Gottheiten voranzugehen. So erscheint
der Sonnengott Rä mit dem Discus und dem Uräus auf dem
Kopfe als Kind dargestellt, den Finger an den Mund führend,
sitzend auf einer Lotusblume, welche auf dem Zeichen des
Wassers ^—r ruht 5 Aehnlich wird in anderen Listen Amon
1 T. O. p. 64.
2 Brugsch in der Aeg. Z. 1868, p. 122 f.
3 Lepaiua in der Aeg. Z. 1868, p. 127.
4 Brugacli macht 1. 1. p. 124 auf die Varianten, die uns der Papyrus Rhind
bietet, aufmerksam; als Bezeichnung der Erde finden wir den Ausdruck
,Gefäss der Dinge 1 , der sich vollkommen deckt mit dem
diodorischen xijv 8s yijv wajtsp a^ystov ti twv cpuop-fvtov (I, 12, 4).
Die Quelle, der Diodor folgte, zeigt sich auch hier in ägyptischen Dingen
vollkommen unterrichtet.
5 Lepsius 1. 1. p. 192.
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