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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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Werner.

Repräsentanten  der  in  der  Begrenztheit  ihrer  zeitlichen  Entfaltung
und  Dauer  gleichfalls  sterblichen  Gattung  sah.  Wie  die  einzelnen ­
  Völker  beim  Endpunkte  ihrer  Entwickelung  anlangen,
so  auch  ganze  Weltepochen,  und  so  endlich  die  Gesammtmenschheit,
  so  dass  das  bleibende  endgültige  Resultat  ihrer
Entwickelung  nothwendig  einer  überzeitlichen  jenseitigen  Wirklichkeit ­
  anheimfällt.  Dieses  bleibende  endgiltige  Resultat  können
aber  einzig  die  ethischen  Errungenschaften  aller  Einzelnen  sein;
der  innere  Mensch  gehört  bereits  im  irdischen  Zeitleben  mehr
der  jenseitigen  als  der  diesseitigen  Wirklichkeit  an,  die  sittliche ­
  Selbstgestaltung  jedes  Einzelnen  ist  ein  innerer  Lebensvorgang, ­
  dessen  Inhalt  und  Resultat  erst  in  der  jenseitigen
Wirklichkeit  offenbar  wird.  Vico  scheidet  sonach  schroff  zwischen
dem  sittlichen  ewigen  Werthe  der  zeitlichen  Menschenexistenz
und  zwischen  ihrer  diesseitigen  Selbstdarstellung,  die  durch
die  zeitlich-örtliche  Stellung  des  Einzelindividuums  in  dem
Entwickelungsverlaufe  des  collectiven  Ganzen  bestimmt  ist.
Diese  Scheidung  lässt  sich  am  ehesten  auf  die  vorchristliche
Weltzeit  anwenden, 1  in  welcher  sich  für  die  Entwickelung  der
seelischen  Innerlichkeit  und  für  das  Anstreben  höchster  überzeitlicher ­
  Ziele  unter  dem  Drucke  der  äusseren  Lebensverhältnisse ­
  und  zufolge  der  Niederhaltung  des  höheren  Geistlebens
durch  den  zur  Religion  gewordenen  Cult  der  kosmischen  Mächte
der  nöthige  Raum  nicht  fand,  ohne  dass  man  desshalb  die
zahllosen,  jenem  doppelten  Drucke  unterjochten  Menschenexistenzen ­
  für  zwecklose  oder  in  vorhinein  dem  Verderben
preisgegebene  anzusehen  über  sich  bringen  könnte.  Anders
verhält  es  sich  in  der  christlichen  Weltzeit,  die  ja  darauf  angelegt ­
  ist,  die  Einrichtungen  der  menschlichen  Societät  den
höchsten  überzeitlichen  Zielen  der  Menschheit  anzupassen,  und
der  Anstrebung  derselben  den  nöthigen  Raum  zu  schaffen.
Vico,  der  in  seiner  Kreislaufstheorie  befangen,  diesen  wesentlichen ­
  Unterschied  zwischen  der  vorchristlichen  und  christlichen ­
  Weltzeit  schlechthin  übersah,  muss  den  Werth  des
Christenthums  auf  seine  innerlichen  Wirkungen  in  den  Seelen

1  Und  natürlich  auch  auf  die  Zustände  der  ausser  dem  Bereiche  der
christlichen  Civilisation  stehenden  Volker  und  Stämme  des  christlichen
Weltalters.
            
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