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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Emerico  Araari  in  seinem  Verhältniss  zu  G.  B.  Vico.

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der  Natur  und  den  niemals  ruhenden  Leidenschaften  der  Menschen ­
  behauptet  werden  muss,  scheint  trotz  aller  Mehrung-  der
geistigen  und  sittlichen  Errungenschaften  der  Menschheit  im
Allgemeinen  und  Besonderen  ein  allgemeiner  Niedergang  des
letzten  zeitlichen  Welttages  der  Menschheit  in  Aussicht  genommen ­
  werden  zu  müssen,  der  das  absolute  Ziel  der  zeitlichen ­
  menschlichen  Strebethätigkeit  als  etwas  Jenseitiges  aufzufassen ­
  nöthiget.  Der  an  sich  berechtigten  Annahme  des
dereinstigen  Zusannnenfliessens  aller  Völkerculturen  in  einer
allgemeinen  Weltcultur  steht  als  eben  so  berechtiget  der  Gedanke ­
  einer  stets  tiefer  greifenden  Auseinandersetzung  der
mit  dem  geschichtlichen  Leben  der  Völker  gegebenen  Gegensätze ­
  mannigfachster  Art  gegenüber,  welche  theilweise  mit  den
Interessen  der  besonderen  Völkerexistenzen  so  enge  verwachsen
sind,  dass  unbeschadet  des  gemeinsamen  Theilhabens  an  den
Gütern  der  Weltcivilisation  stets  feindselige  Spannungen  der
einzelnen  Völkerexistenzen  statthaben  werden.  Und  gesetzt,
es  gelänge  einen  allgemeinen  Weltstaat  zu  gründen,  der  alle
Culturvölker  in  sich  fasst,  so  würde  innerhalb  desselben  das
Spiel  der  antagonistischen  Interessen  und  Leidenschaften  um
so  lebhafter  sich  erneuern,  und  die  errungene  Weltgemeinschaft
stets  wieder  auf’s  Neue  in  Frage  stellen.
Die  Grunddifferenz  zwischen  Vico  und  Amari  ist  nicht
da  zu  suchen,  wo  Letzterer  sie  zu  sehen  glaubt;  sie  besteht
vielmehr  darin,  dass  Vico  den  menschheitlichen  Entwickelungsprocess
  vorzugsweise  von  dessen  ethischer  Seite  auffasst,  während ­
  Amari  das  unaufhaltsame  stetige  geistige  Fortschreiten
der  Menschheit  im  Auge  hat.  Vico  suchte  das  ethische  Entwickelungsprincip
  dadurch  zu  verlebendigen  und  zu  concretisiren,
  dass  er  es  als  die  subjective  Lebenskräftigkeit  der  Völker
und  Einzelmenschen  fasste;  daraus  ergab  sich  die  Verherrlichung ­
  der  romantischen  Epoche  der  Völker  als  der  schöpferisch ­
  producirenden  Jugendzeit  derselben,  welcher  gegenüber
die  spätere  reifere  Zeit  als  die  Epoche  des  unvermeidlichen
Niederganges  erscheinen  musste.  Diese  Anschauung  vom  Leben ­
  der  einzelnen  Völker  übertrug  er  auf  das  Gesammtleben
der  Menschheit,  daher  er  nicht,  wie  Amari,  die  unsterbliche
Gattung  den  sterblichen  Einzelmenschen  entgegensetzte,  sondern ­
  vielmehr  umgekehrt  im  sterblichen  Einzelmenschen  den
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