Emerico Araari in seinem Verhältniss zu G. B. Vico.
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der Natur und den niemals ruhenden Leidenschaften der Menschen
behauptet werden muss, scheint trotz aller Mehrung- der
geistigen und sittlichen Errungenschaften der Menschheit im
Allgemeinen und Besonderen ein allgemeiner Niedergang des
letzten zeitlichen Welttages der Menschheit in Aussicht genommen
werden zu müssen, der das absolute Ziel der zeitlichen
menschlichen Strebethätigkeit als etwas Jenseitiges aufzufassen
nöthiget. Der an sich berechtigten Annahme des
dereinstigen Zusannnenfliessens aller Völkerculturen in einer
allgemeinen Weltcultur steht als eben so berechtiget der Gedanke
einer stets tiefer greifenden Auseinandersetzung der
mit dem geschichtlichen Leben der Völker gegebenen Gegensätze
mannigfachster Art gegenüber, welche theilweise mit den
Interessen der besonderen Völkerexistenzen so enge verwachsen
sind, dass unbeschadet des gemeinsamen Theilhabens an den
Gütern der Weltcivilisation stets feindselige Spannungen der
einzelnen Völkerexistenzen statthaben werden. Und gesetzt,
es gelänge einen allgemeinen Weltstaat zu gründen, der alle
Culturvölker in sich fasst, so würde innerhalb desselben das
Spiel der antagonistischen Interessen und Leidenschaften um
so lebhafter sich erneuern, und die errungene Weltgemeinschaft
stets wieder auf’s Neue in Frage stellen.
Die Grunddifferenz zwischen Vico und Amari ist nicht
da zu suchen, wo Letzterer sie zu sehen glaubt; sie besteht
vielmehr darin, dass Vico den menschheitlichen Entwickelungsprocess
vorzugsweise von dessen ethischer Seite auffasst, während
Amari das unaufhaltsame stetige geistige Fortschreiten
der Menschheit im Auge hat. Vico suchte das ethische Entwickelungsprincip
dadurch zu verlebendigen und zu concretisiren,
dass er es als die subjective Lebenskräftigkeit der Völker
und Einzelmenschen fasste; daraus ergab sich die Verherrlichung
der romantischen Epoche der Völker als der schöpferisch
producirenden Jugendzeit derselben, welcher gegenüber
die spätere reifere Zeit als die Epoche des unvermeidlichen
Niederganges erscheinen musste. Diese Anschauung vom Leben
der einzelnen Völker übertrug er auf das Gesammtleben
der Menschheit, daher er nicht, wie Amari, die unsterbliche
Gattung den sterblichen Einzelmenschen entgegensetzte, sondern
vielmehr umgekehrt im sterblichen Einzelmenschen den
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