Manetho und Diodor.
245
inschrift und gibt auch eine Deutung derselben. 1 Erinnern
wir uns nun, in welcher Gegend die Darstellung sich fand, so
werden wir ägyptische Dollmetscher nicht weit zu suchen haben,
denen Herodot sonst alles verdankte, was er an Uebersetzungen
hieroglyphischer Inschriften gibt. Südöstlich von Pliokäa lag ja
das ägyptische Larisa, welches seinen Ursprung auf die ägyptischen
Bundesgenossen im Heere des Krösus zurückführte; 2
einem Enkel oder Urenkel Eines derselben verdankte wohl Ilerodot
seine Uebersetzung. 3 Es ist überhaupt merkwürdig, wie
wenig Herodot und Diodor von ägyptischer Schrift und Sprache
zu berichten wissen. Mangel an Interesse kann nicht allein massgebend
gewesen sein; vielmehr ist daran zu erinnern, dass
die ägyptischen Priester besonders seit der Herrschaft der
Griechen über Aegypten bemüht waren, die Plieroglyplien ganz
zu einer Rebusschrift zu gestalten, um ja das Verständniss
dieser an sich nicht leichten Schrift für Denjenigen, der nicht
zu den Ihrigen zählte, gänzlich unmöglich zu machen. Als
Tacitus freilich an die Ausarbeitung seiner Geschichtswerke
ging, war das Dunkel, das auf den Principien der Hieroglyphenschrift
ruhte, schon geschwunden. 4
1 Wie die übrigen von Herodot wiedergegebenen Hieroglyphen-Uebersetzungen
bat auch diese keinen Werth. Die Inschrift ging von einer
Schulter zur anderen, die Uebersetzung: svto Gjv 8k T ü v /.“prjv ej[ioioi
Toter: eixofat i/cnjadpjv, lag einem findigen Kopfe daher nahe genug.
Herodot hielt jedoch, und dies ist für uns die Hauptsache, seine Quelle
für ganz verlässlich.
2 Büdinger, Krösus’ Sturz, p. 25.
3 Eine Berührung zwischen Herodot und diesen kleinasiatischen Aegyptern
lässt sich auch aus einer anderen Stelle darthun, nämlich aus II, 104.
Mit Hecht, sagt Stein zu dieser Stelle: ,Der Autor ist nicht etwa zweimal
in Kolchis oder in Aegypten gewesen. Was er hier von der Hautfarbe, dem
Haarwuchs und den Sitten der Aegypter erwähnt, konnte er schon in
Halilcarnass an den dort verkehrenden Aegyptiern beobachtet und aus
sonstigen Berichten erfahren haben 1 . Nach unseren bisherigen Ergebnissen
werden wir annehmen dürfen, dass Herodot seine Beobachtungen
den in Kleinasien angesiedelten Aegyptern verdankte. Vielleicht ging
auch eine der Herodot vorliegenden vier Relationen (I, 95) über die Erhebung
der persischen Macht auf dieselben Quellen zurück. Xenophon
wenigstens entnahm derselben, wie Büdinger 1. 1. bemerkt, werthvolle
Nachrichten für seine Kyropaedie.
4 xVb exe. XI, 14.