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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

244  Krall.
Ramessiden  zurück,  in  der  sich  in  Aegypten  allseitig  ein  wissenschaftliches ­
  Streben  geltend  macht,  welches  vielfach  an  das
Wirken  der  Alexandriner  erinnert.  Um  den  heiligen  Rollen
grösseres  Ansehen  in  den  Augen  der  Menge  zu  verschaffen,
wurde  ihre  Entstehung  von  den  Priestern  in  die  Zeit  der
ältesten  Könige  verlegt.  1  Eine  Reihe  dieser  ävaypa<pat  ist  uns
durch  die  Gunst  des  Zufalls  erhalten;  ich  nenne  nur  den  Turiner
  Königspapyrus,  den  mathematischen  Papyrus  und  den
medicinischen  Papyrus  Ebers;  von  anderen  nennen  uns  erhaltene ­
  Bibliothekskataloge 2  wenigstens  die  Titel.  Bemerkenswerth ­
  sind  unter  denselben  die  ,Vorschriften  vom  Beschreiben
der  Wand  und  der  Beobachtung  der  Körperformen',  ,die  Wissenschaft ­
  der  (periodischen)  Wiederkehr  der  beiden  Gestirne  Sonne
und  Mond',  ,das  Gesetz  der  (periodischen)  Wiederkehr  der
Sterne', 3  ,  Aufzählung  aller  Orte  und  die  Kenntniss  dessen,
was  daselbst  ist'.
Nun  erhebt  sich  die  Frage,  wie  war  es  Diodor  möglich,
diese  in  ägyptischer  Sprache  verfassten  ava^paoat,  die  er  auch
als  avaypacpal  sv  Taic,  hpoiiq  ßißXoi?  oder  kürzer  als  iepai  ä'ia^paoM
bezeichnet,  zu  benützen  und  als  Hauptquelle  für  seine  Darstellung ­
  zu  verwerthen?  Weder  bei  ihm  noch  auch  bei  Herodot
ist  an  eine  Kenntniss  ägyptischer  Schrift  und  Sprache  zu  denken,
obwohl  bei  dem  Letzteren  uns  eine  Stelle 4  dies  vermuthen
liesse.  Bei  Besprechung  der  Darstellungen,  die  sich  auf  dem
Wege  von  Ephesos  nach  Phokäa  und  von  Sardes  nach  Smyrna
befanden  und  von  Plerodot  im  Gegensätze  zur  localen  Tradition,
welche  sie  als  Bilder  des  Memnon  bezeichnete,  als  Werke  des
Sesostris  aufgefasst  werden,  erwähnt  er  zugleich  eine  von  der
einen  Schulter  der  Figur  zur  anderen  laufende  Hieroglyphen-1

  M.  G.  (=  Die  Composition  und  die  Schicksale  des  manetlionischen
Geschichtswerkes)  p.  10  f.
2  v.  Bergmann,  Hieroglyphische  Inschriften,  p.  46  f.,  T.  LXIV—LXVIII,
Brugsch,  Aeg.  Z.  1871,  p.  41.
3  Diodor  I,  81,  4  ai  xaiv  aaxpcov  xai*ei<;  xe  xai  y.tv»j<j£t$  xai  xa?  Tcepi  IxaoXwv
avaypacpa«;  ££  IxaSv  axdaxtov  xai  7tX?j0Ei  cpuXaxxouatv.
4  II,  106.  Diese  Stelle  ist  schon  Heyne  1.  1.  LX1X  aufgefallen:  An  enim
Aegyptii  sermonis  peritus  (sc.  Herodotus)  fuerit  dubitari  potest;  etsi  eum
verba  Aegyptia  interpretantem  video  in  signo  Aegyptio,  quod  in  Jonia
deprehendisse  sibi  visus  erat.
            
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