Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Emerico  Amari  in  seinem  Verhältniss  zu  6.  B.  Vico.

17

Elemente  des  Austausches  und  der  Ueberlieferung  nicht  zu
ihrem  Rechte  komme.  Um  hierüber  in’s  Klare  zu  kommen,
ist  es  nöthig,  sich  darüber  zu  orientiren,  welche  Aufgabe  Amari
seinem  wissenschaftlichen  Unternehmen  stellte  und  wie  er  dieselbe ­
  zu  lösen  gedachte.  Er  erklärt,  1  dass  die  Wissenschaft
der  vergleichenden  Gesetzeskunde  nur  ein  Theilglied  der  von
Vico  geschaffenen  Philosophie  der  Menschheit  constituire,  dass
sie  aber  dessungeachtet  auf  ihre  Weise  den  Gesammtinhalt
letzterer  reproduciren  müsse,  da  die  Gesetze  durch  das  geistige ­
  Gesammtleben  der  Menschheit  bedingt  seien,  und  Religion, ­
  Sitte,  Künste,  gesellschaftliche  Verfassung,  Einrichtung
des  Staatshaushaltes,  so  wie  die  äusseren  Lebensbedingungen,
die  in  Klima  und  geographischer  Situation  der  Völker  dargeboten ­
  sind,  auf  die  Beschaffenheit  der  Gesetze  Einfluss
nehmen.  Die  constitutiven  Elemente  der  Philosophie  der  Menschheit ­
  sind  demnach  auch  jene  der  Wissenschaft  der  vergleichenden ­
  Gesetzeskunde.  Die  Aufgabe  der  letzteren 2  ist  die  Sammlung ­
  und  methodische  Vergleichung  der  Gesetze  der  Völker
zu  dem  Ende,  die  gemeinschaftliche  Rechtsanschauung  der
gebildeten  Welt  an’s  Licht  zu  stellen,  und  damit  ein  Richtmaass
  zu  schaffen,  an  welchem  die  Völker  hinsichtlich  ihrer
politischen,  ökonomischen  und  .geschichtlichen  Bedürfnisse  sich
zu  orientiren  haben.  Nach  ihrer  rein  theoretischen  und  scientifischen
  Bedeutung  soll  sie  die  Erweisung  eines  universalen
Vernunftrechtes,  und  eines  durch  die  gemeinsame  Natur  und
Artung  der  Völker  unterbauten,  providentiell  vorausgeordneten
Fortschrittes  der  Menschheit  sein,  der  durch  die  providentiell
vorausgeordnete  Transmission  der  Culturinstitutionen  vermittelt
ist.  Das  absolute  Ideal  dieser  Wissenschaft  ist  der  beste  Staat,
welcher  ihr  als  Norm  der  Untersuchung  vorschwebt  und  als
Richtmaass  bei  der  Vergleichung  der  Gesetze  und  der  bürgerlichen ­
  Einrichtungen  dient.  Diese  von  Amari  gegebene  Charakteristik ­
  der  von  ihm  angestrebten  Wissenschaft  zeigt  durch
sich  selbst  hinlänglich,  dass  er  über  die  von  Vico  betonte
gemeinsame  Natur  und  Gleichartigkeit  der  Völker  nicht  hinauskommt, ­
  und  die  von  ihm  vorgenommenen  Verbesserungen
1  Critica,  p.  279.
2  Critica,  p.  487.
Sitzungsber.  d.  pliil.-h.iet.  CI.  XCVI.  Bd.  I.  Hft.  2
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.