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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Emerico  Amari  in  seinem  Yerhältniss  zu  G.  B.  Vico.

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deducire;  Vico  muss  vielmehr,  um  diese  Entwickelungsformen
der  Gesammtheit  zu  gewinnen,  das  menschliche  Einzelwesen
in  einer  gewissen  abstractiven  Allgemeinheit  fassen,  welche  ihm
das  Eindringen  in  den  lebendigen  persönlichen  Kern  der  subjectiven
  menschlichen  Besonderheit  verwehrt,  und  ihn  nebstdem
  von  der  Beachtung  der  individuellen  Modificationen  des
gemeinmenschlichen  Wesens  in  allen  besonderen  Repräsentationen ­
  desselben  ablenkt.
Amari  betont  ganz  richtig  gegen  Vico  den  Unterschied
zwischen  dem  sterblichen  Einzelmenschen  und  dem  unsterblichen ­
  Gattungsmenschen, 1  auf  dessen  Unvergänglichkeit  eiserne ­
  Theorie  vom  successiven  Fortschreiten  der  Menschheit
stützt.  Wenn  er  indess  die  Möglichkeit  de3  von  Vico  geläugneten
  successiven  Fortschreitens  einzig  nur  aus  der  Culturüb
  erlief  er  ung  von  einem  Volke  auf  das  andere,  von  einem
Zeitalter  auf  das  andere  erklären  will,  so  thut  er  der  von  Vico
mit  Recht,  wenn  auch  excessiv  betonten  Urthümlichkeit  der
einzelnen  geschichtlichen  Volksthümer  ungebührlich  Eintrag.
In  der  That  fehlte  Vico  nur  darin,  dass  er  die  Urthümlichkeit
oder  Eigenart  der  einzelnen  geschichtlichen  Völker  nicht  als
etwas  aus  verschiedenartigen  Elementen  Zusammengeflossenes
erkannte.  In  der  Erkenntniss  dessen  ist  die  richtige  Vermittelung ­
  zwischen  den  beiden  einander  involvirenden  gegensätzlichen ­
  Principien  der  individuellen  Selbstigkeit  und  der
Bezogenheit  auf  das  Gesammtleben  der  Gattung  gegeben.  Das
Princip  der  individuellen  Selbstigkeit  ist  eben  sowol  in  Bezug
auf  den  geistig  entwickelten  oder  entwickelungsfähigen  persönlichen ­
  Einzelmenschen,  als  auch  auf  die  Individualitäten  der
historischen  Völker  zur  Geltung  zu  bringen.  Eben  so  gewiss
aber  ist,  dass  eben  nur  die  vielseitigst  orientirte  Selbstigkeit
sich  zur  wahrhaften,  geschichtlich  einflussreichen  Geltung  zu
bringen  vermag;  und  eben  desshalb  sind  die  von  Vico  vorzugsweise ­
  betonten  drei  Hauptvölker  der  alten  vorchristlichen
Zeit:  Griechen,  Römer  und  Hebräer  zu  historischen  Völkern
par  excellence  geworden.  Sie  repräsentiren  die  drei  Hauptarme, ­
  aus  welchen  der  Gesammtstrom  der  humanitären  Entwickelung ­
  der  christlichen  Weltzeit  zusammengeflossen  ist,

1  ,Vita  ünmortale  del  genere  umano‘.  Critica,  p.  339.
            
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