Emerico Amari in seinem Yerhältniss zu G. B. Vico.
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deducire; Vico muss vielmehr, um diese Entwickelungsformen
der Gesammtheit zu gewinnen, das menschliche Einzelwesen
in einer gewissen abstractiven Allgemeinheit fassen, welche ihm
das Eindringen in den lebendigen persönlichen Kern der subjectiven
menschlichen Besonderheit verwehrt, und ihn nebstdem
von der Beachtung der individuellen Modificationen des
gemeinmenschlichen Wesens in allen besonderen Repräsentationen
desselben ablenkt.
Amari betont ganz richtig gegen Vico den Unterschied
zwischen dem sterblichen Einzelmenschen und dem unsterblichen
Gattungsmenschen, 1 auf dessen Unvergänglichkeit eiserne
Theorie vom successiven Fortschreiten der Menschheit
stützt. Wenn er indess die Möglichkeit de3 von Vico geläugneten
successiven Fortschreitens einzig nur aus der Culturüb
erlief er ung von einem Volke auf das andere, von einem
Zeitalter auf das andere erklären will, so thut er der von Vico
mit Recht, wenn auch excessiv betonten Urthümlichkeit der
einzelnen geschichtlichen Volksthümer ungebührlich Eintrag.
In der That fehlte Vico nur darin, dass er die Urthümlichkeit
oder Eigenart der einzelnen geschichtlichen Völker nicht als
etwas aus verschiedenartigen Elementen Zusammengeflossenes
erkannte. In der Erkenntniss dessen ist die richtige Vermittelung
zwischen den beiden einander involvirenden gegensätzlichen
Principien der individuellen Selbstigkeit und der
Bezogenheit auf das Gesammtleben der Gattung gegeben. Das
Princip der individuellen Selbstigkeit ist eben sowol in Bezug
auf den geistig entwickelten oder entwickelungsfähigen persönlichen
Einzelmenschen, als auch auf die Individualitäten der
historischen Völker zur Geltung zu bringen. Eben so gewiss
aber ist, dass eben nur die vielseitigst orientirte Selbstigkeit
sich zur wahrhaften, geschichtlich einflussreichen Geltung zu
bringen vermag; und eben desshalb sind die von Vico vorzugsweise
betonten drei Hauptvölker der alten vorchristlichen
Zeit: Griechen, Römer und Hebräer zu historischen Völkern
par excellence geworden. Sie repräsentiren die drei Hauptarme,
aus welchen der Gesammtstrom der humanitären Entwickelung
der christlichen Weltzeit zusammengeflossen ist,
1 ,Vita ünmortale del genere umano‘. Critica, p. 339.