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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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Werner.

lebendigen  Concretheit  erfasst  habe,  die  Erklärungsprincipien
der  gesannnten  concreten  Wirklichkeit  des  geschichtlichen
Menschheitsdaseins,  aller  wesentlichen  Erscheinungen  desselben,
als  da  sind  Gesetze,  Religionen,  Sprachen,  Wissenschaften,
Künste,  Regierungsformen,  Kriege,  Friedensschlüsse,  Völkerbündnisse, ­
  aufzuweisen  vermocht  habe.  Angenommen,  es  sei
Vico  gelungen,  in  den  wesentlichen  Entwickelungsmomenten
der  denkhaften  menschlichen  Einzelseele  (nelle  modificazioni
delle  mente  umana)  die  wesentlichen  Erscheinungsformen  des
geschichtlichen  Gesammtlebens  der  Menschheit  aufzuzeigen,  so
*  wären  damit  doch  nur  die  allgemeinen,  allüberall  dieselbigen
Wesensformen  dieses  Lebens  aufgewiesen,  nicht  aber  der  specifische
  Wesensinhalt  desselben  begriffen,  dessen  Erkenntniss
nicht  aus  psychologischer  Analyse,  sondern  aus  der  Erkenntniss
der  im  Geschichtsleben  der  Menschheit  sich  verwirklichenden
Ideen  und  der  constitutiven  Factoren  desselben  geschöpft  wird.
Zugegeben,  dass  die  Entwickelung  des  menschlichen  Einzellebens ­
  den  Typus  der  Entwickelung  des  Gesammtlebens  darstelle, ­
  ist  letzteres  doch,  sofern  in  ihm  alle  Einzel-  und  Sonderleben ­
  in  einer  höheren  Einheit  zusammengefasst  sind,  eine
Lebenswirklichkeit  höherer  Art,  die  ihren  selbsteigenen,  von
jenem  des  Einzelindividuums  unabhängig  bestehenden  Lebensmittelpunkt ­
  haben  muss;  der  generische  Gesammtmenseh  ist
seiner  Idee  nach  etwas  von  allen  Einzelmensehen  verschiedenes
höheres  Drittes,  und  man  ist  mindestens  eben  so  sehr  zu  der
Forderung  berechtiget,  den  Einzelnen  aus  dem  Ganzen,  als
das  eollective  Ganze  aus  einem  constitutiven  Einzelgliede
desselben  zu  verstehen.  Vico  lässt  die  Idee  des  Einzelmenschen
und  des  Gesammtmenschen  relativ  ineinander  aufgehen,  was
sachlich  schon  aus  dem  Grunde  unzulässig  ist,  weil  der  Einzelne ­
  unbeschadet  der  in  sich  geschlossenen  Totalität  jedes
persönlichen  menschlichen  Einzelwesens  dennoch  im  Verhältniss
zum  Menschheitsganzen  doch  nur  eine  diversificirte  Besonderheit ­
  des  Ganzen  ist,  also  dasselbe  nicht  schlechthin  und  gemeingiltig
  darstellt.  Es  ist  also  auch  nur  relativ  wahr,  und
verkehrt  sich  unter  der  Hand  fast  in  sein  Gegentheil,  wenn
Amari  behauptet,  dass  Vico  aus  der  Lebensentwickelung  des
in  seiner  lebendigen  Concretheit  erfassten  Menschenwesens
die  Entwickelungsformen  des  menschheitlichen  Gesammtlebens
            
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