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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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Werner.

betrachtet,  muss  Amari’s  Polemik  gegen  Yico  als  eine  der  rechten
Tiefe  entbehrende  bemängelt  werden.  Es  genügt  nicht  zu  sagen,
dass  die  Transmission  von  Gesetzen,  von  Recht  und  Cultur
ein  geschichtliches  Factum  sei;  denn  diess  mochte  für  spätere
entwickeltere  Zustände  des  menschheitlichen  Geschichtslebens
wol  auch  Yico  nicht  ableugnen  wollen.  Das  von  Amari  als
Beschluss  und  Gebot  der  göttlichen  Providenz  citirte  Wort:
,Gehet  hin  und  lehret  die  Völker*  wusste  auch  Vico  von  seinem
Standpunkte  aus  zu  würdigen;  für  ihn  war  jedoch  die  Ausbreitung ­
  der  christlichen  Weltcultur  nur  ein  Letztes,  was  die
selbstige  Eigenheit  und  Entwickelung  der  Völker  nicht  aufhebt,
sondern  vielmehr  als  Vorausgegangenes  voraussetzt.  Richtig
und  treffend  ist  wol  die  Bemerkung  Amari’s,  dass  bei  Vico
die  Idee  in  übergeschichtlicher  Höhe  sich  hält,  dass  sie  nicht
die  Macht  eines  durchgreifenden  Principes  bethätiget,  und
demnach  auch  den  continuirlichen  Fortschritt  in  der  geschichtlichen ­
  Entwickelung  der  Menschheit  nicht  zu  seinem  vollen
Rechte  kommen  lässt.  Aber  auch  hier  Hesse  sich  die  später
zu  erörternde  Frage  aufwerfen,  ob  Amari  die  Idee  des  Fortschrittes ­
  nicht  in  einem  zu  optimistischen  Sinne  auffasse,  und
ob  nicht  dieser  Optimismus  in  der  Beschränkung  seines  Blickes
auf  das  Gebiet  der  europäischen  Culturwelt  seinen  Grund  habe.
Sicher  ist,  dass  er  ein  bestimmtes  Grundgebrechen  der  anthropologischen ­
  Basirung  der  Geschichtsphilosophie  Vico’s  nicht
erkannte,  und  desshalb  auch  über  sein  Verhältniss  zu  Vico,
in  dessen  Banden  er  sich  trotz  des  Gefühles  der  Ungenüge
der  Anschauungen  desselben  geistig  gefangen  bekannte, 1  nicht
zur  vollen  Klarheit  zu  gelangen  vermochte.  Dieses  Grundgebrechen ­
  besteht  bei  Vico  darin,  dass  er,  den  Blick  auf  das
allgemeine  Wesen  der  Menschennatur  gerichtet  haltend,  die
grundwesentliche,  aus  dem  Begriffe  der  Gattungsgemeinschaft
sich  ergebende  Bedeutung  der  concretisirenden  Diversificationen
der  Gattungsidee  in  den  einzelnen  Gattungsindividuen  nicht
erfasste,  und  demzufolge  auch  unterliess,  dieses  Princip  der
Diversification  von  den  einander  ergänzenden  Einzelindividuen
auf  die  einander  wechselseitig  ergänzenden  Völkerindividuen
zu  übertragen.  Daher  seine  seltsame  und  widergeschichtHche

Noi  pnre  umili  diseepoli  di  quel  sommo.

Critica,  p.  280.
            
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