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Werner.
Amari bemängelt an Vico, dass dieser, durchwegs auf
übergeschiclitliche Ideen fussend, die Geschichte nur da, wo
sie zu seinen Ideen stimmt, als beglaubigte Geschichte gelten
lasse, und die gegen jene Ideen sprechende geschichtliche
Ueberlieferung als Fälschung oder Entstellung des wirklichen
geschichtlichen Herganges anzusehen liebe. In dem Falle nun,
wo Yico die Ableitung der Anfänge aller Cultur von einem
ersten Volke verwirft, darf man unbedingt annehmen, dass er
trotz des Einspruches Amari’s die Geschichte für sich habe,
obschon ihm zufolge seines von den concretisirenden Principien
des gemeinmenschlichen Seins abstrahirenden Universalismus
die Kenntniss dessen abgeht, was dem geschichtlich
undenkbaren ,ersten Volke' als realer Anknüpfungspunkt für
die Erklärung der Entstehung der Weltcultur substituirt werden
muss. Ehe es Völker gab, waren Stämme vorhanden, und die
Stämme sind die ersten grundhaften Differenzirungen eines
den Völkerunterschieden vorausgegangenen gemeinmenschlichen
familienhaften Zustandes, der als solcher noch nichts von der
individuirten Besonderheit einer nationalen und volklichen
Existenz an sich hatte. Aus diesem vorhistorischen Zustande
sind die primitiven religiösen und ethischen Traditionen der
Menschheit abzuleiten, welche unter Ausschluss irgend einer
besonderen rechtlichen oder politischen Satzung und Verfassung
den Gesammtinhalt des geistigen Denkens der ältesten Menschheit
ausmachten. Die Scheidung von Sitte und Recht, Gewohnheit
und positiver menschlicher Satzung, die Schaffung
besonderer Formen und Normen des gesellschaftlichen Daseins
konnte erst mit dem Heraustreten aus dem ursprünglichen
familienhaften Verbände der Gesammtmenschheit sich vollziehen.
Dieser Heraustritt war durch das Auseinandergehen der allgemeinen
Gattung in die Diversitäten differenter Stämme bedingt,
von welchen eben nur die edleren, einer geistig activen Existenz
fähigen sich zu grundhaften Ansätzen eines gemeinmenschlichen
Geschichtslebens eigneten, während die von der Herrschaft der
sinnlich-irdischen Naturmächte überwältigten passiven Stämme
einem geschichtslosen Naturdasein anheimfielen, ohne das Vermögen
einer geistig-ethischen Erhebung über die Zustände
desselben in sich zu finden. Besondere Volksexistenzen konnten
sich nur aus den geistig-activen Stämmen herausbilden; die