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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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K  r  e  ra  e  r.

Trotz  des  Schreckens,  den  die  beispiellosen  Verwüstungen
dieser  Epidemie  hervorriefen,  hat  der  arabische  Schriftsteller
Ibn  Wardy,  der  auch  als  Geschichtschreiber  durch  seine  Fortsetzung ­
  der  Annalen  des  Abulfeda  bekannt  ist,  mit  einer  Art
von  Galgenhumor  in  Form  einer  Makame  diese  Seuche  zum
Gegenstände  eines  Aufsatzes  gewählt.  Er  spricht  hiebei  als
Augenzeuge,  indem  er  diese  Pest  in  Aleppo  durchmachte.  Er
gibt  uns  hiebei  neue,  bisher  ganz  unbeachtet  gebliebene  Nachrichten, ­
  die  ich  hier  folgen  lasse.  Nach  seiner  Aussage  trat
die  Krankheit  zuerst  in  dem  Lande  der  Finsterniss  (alzolomät)
 1  auf.  Dann  drang  sie  nach  China  vor,  ebenso  wie
nach  Indien,  wendete  sich  von  hier  nach  dem  Lande  der
Uzbeken  und  nach  Transoxanien,  gelangte  nach  Persien,  verheerte ­
  Centralasien  (’ard  alchata),  die  Krim  und  das  byzantinische ­
  Reich,  dann  Cypern  und  die  Inseln.  Dann  trat  die
Seuche  in  Aegypten  auf,  verheerte  Kairo  und  Alexandrien,
gelangte  selbst  bis  Oberägypten,  zog  hierauf  westlich  die
afrikanische  Küste  entlang  nach  Barka.  Anderseits  drang  von
Aegypten  die  Epidemie  über  die  Hafenstädte  Gaza  und  Ascalon
nach  Syrien  vor,  erreichte  'Akkä  und  Jerusalem,  gleichzeitig
wanderte  sie  die  Seeküste  entlang  nach  Saida  und  Beirut,
sprang  von  hier  nach  Damascus  über,  zog  über  Mezze  und
Berze  nach  Ba'lbekk,  während  sie  über  Kärä,  Ghasula  und
Zebdäny  nördlich  bis  fjoms  kam.  Die  weiteren  Orte,  die  sie

1  Unter  dem  Ausdrucke  ,Gegend  der  Finsterniss 1  verstehen  die  Araber  die
ihnen  ziemlich  unbekannt  gebliebenen  Länder  im  hohen  Norden  Asiens
und  sie  gaben  ihnen  diese  Benennung  wegen  der  Kürze  der  Tage  und
Länge  der  Nächte.  So  heisst  es  in  dem  Buche:  Tohfat  al’albäb  wa
nochbat  al’a'gäb  von  Gharanäty:  Es  ergiesst  sich  in  dieses  Meer  (d.  i.
das  Kaspische  Meer)  ein  grosser  Fluss,  der  Itil  heisst  (Wolga)  und  aus
der  Gegend  über  dem  Bulgarenlande  kommt,  und  zwar  aus  der  Gegend
der  Finsternisse.  —  Ueber  die  Geschichte  dieser  Epidemie,  sowie  überhaupt ­
  auch  der  anderen  Seuchen  wäre  es  höchst  wünschenswert!),  dass
ein  mit  der  nöthigen  Sprachkenntniss  ausgerüsteter  Gelehrter  sich  darau
mache,  die  grossen  Geschichtswerke  und  Annalen  China’s  auszubeuten.
Was  obige  Notiz  betrifft,  lass  die  Seuche  aus  der  oberen  Wolgagegend
kam,  so  würde  dies  darauf  hindeuten,  dass  dort  ein  Pestherd  sich  befand,
der  vielleicht  auch  dem  neuesten  Ausbruche  der  Pest  in  Wetljanka  zu
Grunde  liegt.  Die  sumpfige  Wolgagegend  mit  der  in  Schmutz  lebenden
Fischerbevölkerung  eignen  sich  hiezu  vortrefflich.
            
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