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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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Krem  er.

unbekannt  blieben,  deren  Namen  in  die  Register  nicht  eingeschrieben ­
  waren,  sowie  die  Fremden  und  die  Armen.  Diese
Angabe  bezieht  sich  aber  nur  auf  die  Todesfälle  von  Kairo
(Kähirah),  mit  Ausschluss  von  Altkairo.  Verschiedene  Geschichtschreiber ­
  berichten,  sagt  Ibn  Forät,  dass  der  Durchstich  >
des  Canales  (Chalyg)  in  Kairo  dieses  Jahr  bei  sehr  niederem
Wasserstande  und  ohne  die  altübliche  Ceremonie  des  Tachlyk  1
stattfand,  und  zwar  erst  nach  dem  Nauruztage  im  Monate
Shawwäl  (August—September  1295).  In  dem  westlich  von
Aegypten  gelegenen  Landstriche  bis  nach  Barka  blieb  auch
diesmal  der  Regen  gänzlich  aus.  Es  begannen  die  Preise  zu
steigen,  bis  das  Getreide  in  Kairo  und  Altkairo  per  Ardeb
150  Dirham  kostete,  Gerste  und  andere  Körnerfrüchte  aber
100  Dirham  per  Ardeb.  Die  Noth  nahm  zu,  so  dass  das  Volk
Aeser,  Hunde,  Katzen  und  Esel  aufzehrte,  man  behauptete
sogar,  dass  Menschenfleisch  gegessen  worden  sei.  Die  Sterblichkeit ­
  überstieg  tausend  täglich,  mit  Ausnahme  Jener,  deren
Tod  unbekannt  blieb  und  die  nicht  in  der  Kanzlei  der  Verlassenschaften
  registrirt  wurden.
Hungersnoth  und  Pest  nahmen  immer  zu.  In  Neukairo
wüthete  die  Seuche  derart,  dass  man  über  700  Leichen  zählte,
die  an  einem  Tage  bei  einem  einzigen  Thore  aus  der  inneren
Stadt  hinausgetragen  wurden.  Neukairo  ist  aber,  so  fügt  der
Berichterstatter  hinzu,  ein  kleiner  Punkt  im  Vergleiche  zu  den
Vorstädten  und  Aussen  vierteln,  wie  die  grosse  Strasse  (alshäri'
al’a'zam),  Salybah,  die.Strasse  der  Tulun-Moschee,  die  Kanäfir
alsibä',  der  Schafmarkt  (suk  alghanam),  die  Hosainijja  und
die  Ahkär-Gründe  u.  s.  w.  An  einem  einzigen  Tage  trug  man
von  verstorbenen  Fremden  allein  150  und  mehr  zu  dem  Platze,
wo  die  Leichen  gewaschen  wurden.  Die  Bewohner  der  Stadt
fanden  des  Morgens,  wenn  sie  die  Hausthore  öffneten,  oft  fünf
bis  sechs  oder  mehr  Leichen  in  der  Strasse.  Die  Sterblichkeit
nahm  in  solchem  Maase  zu,  dass  man  die  Todten  in  Massengräbern ­
  beerdigte.  Viele  Leichen  blieben  unbeerdigt  liegen
und  wurden  von  den  Hunden  verzehrt.  Man  berechnete,  dass
1  Nach  den  von  Dr.  Spitta-Bey  freundlichst  eingeholten  Erkundigungen
bestand  diese  Ceremonie  darin,  dass  vor  Durchstich  des  Canals  der
Chalite  sich  auf  die  Insel  Roda  zum  Nilometer  begab,  ins  Wasser  stieg
und  den  Nilometer  mit  der  Salbe  chaluk  bestrich.
            
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