Ueber die grossen Seuchen des Orients nach arabischen Quellen.
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Ueber die Entstehungsursachen fehlen genügende Nachrichten,
aber es ist jedenfalls darauf hinzuweisen, dass fast
gleichzeitig mit diesen Epidemien in Bagdad und in Irak in
rascher Aufeinanderfolge Hungersnoth und Theuerung auftraten
als Folge der Uebervölkerung der grossen Stadt, der
ungeordneten politischen Zustände, der Verwüstung der Länder
durch die Aufstände und Kriege (Karmaten), wodurch Irak,
früher die reichste Provinz, gänzlich zu Grunde gerichtet
worden war, so dass allmälig die Auswanderung mehr und
mehr um sich griff, eine Erscheinung, die bei dem an Haus
und Hof hängenden Orientalen jedenfalls auf einen nahezu
unerträglich gewordenen Grad socialen und politischen Elends
hindeutet. 1
Mit dem fünften Jahrhundert der Hegira tritt die allgemeine
ungünstige Wendung viel deutlicher hervor: 406 II.
(1015) ward Bassora, 2 423 H. (1032) wurden Indien und Persien
heimgesucht, und diese letzte Epidemie ging von Indien aus
und verbreitete sich über Persien bis nach Bagdad. 3 Die
Seuche wüthete mit beispielloser Heftigkeit. In Mosul starben
im selben Jahre 4000 Kinder an den Pocken (Sojiffy, lbn Atyr).
In Shyräz war 425 H. (1034) ein Pestjahr und die Seuche
verbreitete sich nach Bagdad und Bassora. 4
In Aegypten, Syrien und Bagdad herrschte sie wieder im
Jahre 448 H. (1056) gleichzeitig mit Hungersnoth, und auch im
folgenden Jahre hielt die Pest sowie die Hungersnoth in Irak
und Bagdad au, während in Samarkand und Bocharä die Pest
so heftig war, dass in jenem Landstriche 1,600.000 Menschen
daran gestorben sein sollen. ä Dann erschien die Pest 455 H.
(1063) in Aegypten, wo sie zehn Monate andauerte. 6 In Europa
soll die Pest im Jahre 1065 fast allgemein aufgetreten sein,
während gleichzeitig durch den Einbruch der Uzen nach
Thracien, Macedonien und Griechenland die Pestilenz in diese
1 lbn Atyr A. 358.
2 lbn Atyr.
3 Ibidem.
4 Nach Ihn Atyr war es die Bräune (Chawänyk), die in Syrien, Irak, Mosul
und Chuzistän epidemisch auftrat.
5 lbn Atyr.
6 Ibidem.