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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

lieber  die  grossen  Seuchen  des  Orients  nach  arabischen  Quellen.

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schlagenderen  Beweis  für  den  Zusammenhang  der  allgemeinen
politischen  und  socialen  Lage  mit  dem  Auftreten  der  Pest,  als
dieses  plötzliche  Verschwinden  der  schrecklichen  Landplage
des  Ostens.  Das  Euphratland  ward  nun  der  Sitz  der  neuen
Dynastie,  unter  welcher  diese  Provinz  zu  ausserordentlicher
Blüthe  sich  erhob.  Man  entsumpfte  das  Land,  baute  neue
Canäle  und  stellte  die  alten  wieder  her.  Die  neue  Reichshauptstadt, ­
  Bagdad,  ward  schnell  das  grösste  Handelscentrum,
der  Wohlstand  entwickelte  sich,  und  durch  die  Erleichterung
des  Verkehres  entfiel  die  Gefahr  der  Theuerung  und  Hungersnoth,
  dieser  beiden  Geissein  orientalischer  Völker.
Aber  eine  noch  merkwürdigere  Thatsache,  als  das  Aufhören ­
  der  Pest  mit  dem  Regierungsantritt  der  Abbasiden,  ist
es,  dass  in  den  ersten  zwei  Jahrhunderten  der  Hegira  Aegypten
von  der  Pest  fast  ganz  verschont  blieb.  Es  ist  nicht  leicht
diese  Thatsache  zu  erklären,  und  volle  Gewissheit  über  die
Ursachen  zu  gewinnen,  welche  dieses  Resultat  herbeiführten,
ist  wegen  der  Dürftigkeit  der  Quellen  und  des  Mangels  gut
verbürgter  Thatsachen  äusserst  schwer.  Aber  auf  einen  Umstand ­
  möchten  wir  besonderes  Gewicht  legen:  es  ist  der,
dass  Aegypten  durch  seine  geographische  Lage  so  ziemlich
isolirt  war  von  dem  Reste  des  Reiches;  dass  die  fortwährenden
Kämpfe  mit  den  Byzantinern  den  Schiffsverkehr  mit  Constantinopel
  und  Kleinasien  fast  ganz  verhinderten;  dass,  während
Syrien  und  die  Euphratländer  der  Schauplatz  heftiger  Kämpfe
der  politischen  Parteien  waren,  Aegypten  fast  ganz  unberührt
von  diesen  Streitigkeiten  blieb.
Dass  diese  Verhältnisse  von  maassgebendstem  Einflüsse
auf  den  Gesundheitszustand  des  Landes  waren,  ist  nicht  zu
bezweifeln,  aber  ob  sie  allein  hierauf  bestimmend  einwirkten,
ist  mehr,  als  ich  zu  behaupten  vermöchte.  Auch  könnten
kleinere  Epidemien  vorübergegangen  sein,  ohne  dass  sie  in
den  Chroniken  verzeichnet  wurden,  obgleich  hiebei  zu  bemerken ­
  ist,  dass  auch  Ibn  Taghrybardy,  der  gewissenhafteste
Chronist  seines  Landes,  keine  Pest  im  zweiten  Jahrhundert  in
Aegypten  nennt.
Aber  die  Thatsache  steht  fest,  dass  sich  das  Nilthal  in
diesem  Zeiträume  eines  weit  günstigeren  Gesundheitszustandes
erfreute,  als  die  übrigen  Provinzen  des  Chalifenreiches.  Dies
            
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