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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

HG

K  r  e  ra  e  r.

vordrangen.  Nach  griechischen  Berichten  belagerten  sie  Nicaea
ohne  Erfolg  und  kehrten  mit  reicher  Beute  heim.  Sollte  die
Epidemie  mit  diesem  Kriegszuge  im  Zusammenhänge  stehen  ?  1
Aehnliches  gilt  von  den  Epidemien  von  115  und  116  H.
(733,  734),  die  sich  ebenfalls  nach  Irak  verbreiteten  oder  vielleicht ­
  auch  von  dort  nach  Syrien  übersprangen.  Bestimmtes
hierüber  zu  sagen,  ist  bei  der  Mangelhaftigkeit  der  Quellen
unmöglich.  Ebenso  fehlen  uns  nähere  Nachrichten  über  die
Epidemie  von  127  H.  (745).  Es  scheint,  dass  dieselbe  gleichzeitig ­
  auch  in  Syrien  auftrat.  2
Die  Pest  von  131  H.  (749)  hingegen  soll  zwar  nach  den
vorhandenen  Berichten  nur  im  Euphratlande  aufgetreten  sein,
aber  es  scheint  nicht  ganz  ungerechtfertigt,  sie  mit  jener
grossen  Pest  in  Verbindung  zu  bringen,  die  im  Jahre  746  bis
748  zuerst  in  Sicilien  und  Calabrien  sich  entwickelte  und  dann
bis  Constantinopel  sich  verbreitete. 3  Es  war  die  eigentliche
Bubonenpest  und  deshalb  erhielt  sie  den  Namen  Bubonia.
Bios  localer  Natur  scheint  die  Epidemie  von  134  H.  (751)
in  Bay  (Persien)  gewesen  zu  sein,  und  dasselbe  scheint  von
der  Epidemie  des  Jahres  146  H.  (763)  zu  gelten,  die  -in  Bagdad
erschien,  welche  Stadt  gerade  ein  paar  Jahre  früher  gegründet
worden  war. 4
Wir  haben  schon  darauf  aufmerksam  gemacht,  dass  nun
fast  gleichzeitig  mit  dem  Siege  der  neuen  Dynastie  der  Abbäsiden
  eine  längere  Pause  eintritt.  Es  gibt  wohl  keinen

1  Weil:  Geschichte  der  Chalifen  I,  S.  637,  der  nur  fehlerhaft  Nycea  statt
Nicaea  schreibt.
2  Vgl.  Weil:  Geschichte  der  Chalifen  I,  668.
3  Nach  Nicepliorus  Byzantinus,  der  sie  ins  Jahr  747  verlegt,  dauerte  sie
ein  Jahr  lang  und  vernichtete  fast  die  ganze  Bevölkerung  von  Constantinopel. ­
  Vgl.  Nicepliorus  Constantinopolitanus,  Bonn,  S.  70.  Hiemit
stimmt  auch  das  Chronicon  Sigeberti  Gemblatensis,  welches  berichtet,
dass  im  Jahre  748  unter  der  Regierung  des  Constantinus  Copronymus  in
Sicilien  und  Calabrien  eine  heftige  Seuche  auftrat,  die  Bubonia  genannt
ward  und  sich  bis  Constantinopel  ausbreitete.  Vgl.  auch  Cedrenus’  Nachricht ­
  von  der  Pest  im  sechsten  Jahre  der  Regierung  des  Constantinus
Caballinus  Iconomachus.
4  Ibn  Atyr  kennt  weder  diese  Pest,  noch  die  der  Jahre  127,  131  und  134  H.
Hingegen  führt  er  eine  Pest  im  Jahre  158  H.  (775)  an,  jedoch  ohne
Ortsangabe.
            
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