Ueber die grossen Seuchen des Orients nach arabischen Quellen.
in
der frühesten Epoche des Islams der Sammlung geschichtlicher
Ueberlieferungen widmete, ist es zweifellos, dass man nicht
nur die Nachrichten von den Worten und Thaten des Propheten
eifrigst und sorgfältigst sammelte, sondern auch geschichtliche
und biographische Notizen nicht minder aufmerksam
verzeichnete. Aus solchen Collectaneen gingen die ersten
Chroniken und Geschichtsbücher hervor. Dass nun Ereignisse,
wie die grossen Epidemien, nicht leicht aus dem Gedächtnisse
schwanden, bedarf wohl keines Beweises. Aber schon im zweiten
Jahrhunderte H. begann das planmässige Sammeln und Verarbeiten
geschichtlicher Nachrichten. Hiebei vergass man nicht
der grossen Epidemien zu gedenken. Dass hinsichtlich der
Jahreszahlen hie und da Schwankungen und Unsicherheiten
Vorkommen, darf nicht überraschen.
So viel ist jedenfalls ersichtlich und erwiesen, dass in
jener Zeit Syrien und das Euphratgebiet die eigentlichen Pestheerde
waren. Trotzdem scheint das Ueberspringen der Krankheit
von einer Provinz in die andere nicht häufig vorgekommen
zu sein. Es kommt nur zweimal vor (für die Epidemien von
18 H. und 87 II.). Allerdings sind die zwei von 17 II. (Syrien)
und 18 H. (Irak) offenbar eine und dieselbe, und vielleicht
steht auch die von 98 H. mit der von 100 II. in unmittelbarem
Zusammenhänge.
Ueber die localen Ursachen, welche bei der Entstehung
dieser Epidemien mitwirkten, ist es schwer überzeugende Aufklärung
zu geben. Trotzdem soll dies hier versucht werden,
obgleich die Dürftigkeit der Quellen für diese älteste Zeit
einem solchen Versuche enge Grenzen setzt.
Für die Pest von 6 II. fehlen uns nähere Nachrichten,
und das Einzige, was wir wissen, ist, dass sie in der Hauptstadt
des Sasanidenreiches (Ktesiphon) ihren Ursprung hatte;
sie mag also aus der Anhäufung grosser Menschenmassen unter
Einwirkung nachtheiliger Lebensbedingungen entsprungen sein.
Was die Pest von 17 und 18 II. betrifft, so haben wir
bereits auf die damaligen politischen Zustände Syriens und
Babyloniens hingewiesen. Es waren eben die letzten Entscheidungsschlachten
zwischen Byzantinern und Arabern geschlagen
worden. Damascus, Emessa, Heliopolis (Ba'lbek) waren
von den Arabern eingenommen worden. Heraclius hatte alle