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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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K  r  e  m  e  r.

In  Syrien  erschien  die  Seuche  abermals  im  Jahre  98  H.
(716—717  n.  Chr.),  von  Ihn  Atyr  nicht  genannt,  dann  trat  sie
wieder  im  Jahre  100  H.  (718  n.  Chr.)  auf. 1
Ueberblicken  wir  nun  diesen  Zeitraum,  so  ergibt  sich
folgendes  Verzeichniss  der  Pestepidemien  nach  ihrem  localen
Auftreten:
Erstes  Jahrhundert  der  H  e  g  i  r  a
(622—719  n.  Chr.).

Syrien
6  (628)
17  (638)
18  (639)
79  (698)
87  (706)
98  (717)
100  (719)

Aegypten
66  (686)
85  (704)

Irak
18  (628)
49  (669)
53  (673)
69  (688)
70  (689)
87  (706)

Andere  Länder

Es  ist,  wie  hieraus  erhellt,  in  diesem  Zeiträume  Syrien
der  Hauptsitz  der  Pest,  indem  daselbst  im  Laufe  dieses  Jahrhunderts ­
  nicht  weniger  als  sechs  grössere  Epidemien  stattfanden, ­
  von  kleineren,  localen  nicht  zu  reden,  die  ja  wahrscheinlich ­
  gar  nicht  besonders  verzeichnet  wurden.
In  Aegypten  zeigten  sich,  wenn  die  Angaben  vollständig
sind,  nur  zwei  Pestepidemien,  in  den  drei  Städten  Bassora,
Kufa  und  Wäsit  nicht  weniger  als  sechs  und  in  Syrien  sieben.
Allerdings  möchte  ich  nicht  für  die  Vollständigkeit  dieser  Aufzeichnungen ­
  aus  dem  ersten  Jahrhunderte  einstehen,  denn  die
regelmässige  schriftliche  Ueberlieferung  geschichtlicher  Thatsachen
  erfolgte  erst  vom  zweiten  Jahrhundert,  wenngleich  schon
im  vorhergehenden  Zeiträume  schriftliche  Aufzeichnungen  nicht
mehr  ungewöhnlich  waren.  2
Dennoch  kann  man  die  Nachrichten  der  ersten  Zeit  des
Islams  nicht  für  unverlässlich  erklären.  Nicht  so  sehr  die
Unzuverlässigkeit,  als  die  Lückenhaftigkeit  der  Nachrichten
hat  man  vorauszusetzen.  Bei  der  Sorgfalt,  die  man  schon  in

1  Von  Ihn  Atyr  nicht  angeführt.
2  Vgl.  Sprenger:  Das  Leben  und  die  Geschichte  des  Mohammed,  III,
S.  LXXXI  ff.
            
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