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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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Krem  er.

Im  Islam  wie  im  Christenthum  ist  die  Pest  eine  Strafe  Gottes; 1
hier  wie  dort  muss  man  Gott  durch  Busse,  Fasten,  Wallfahrten, ­
  Bittgänge  und  Kasteiungen  zu  versöhnen  suchen.  Besonderen ­
  Gebetformeln,  die  nach  Zeit  und  Geschmack  sich
änderten,  schrieb  man  besondere  Kraft  und  Wirksamkeit  zu,
und  es  sank  das  Gebet  zu  einer  Art  magischer  Beschwörungsformel ­
  herab,  und  in  demselben  Maasse  sank  die  echte  Religiosität ­
  und  schwand  jede  Tiefe  und  Innigkeit  des  religiösen
Gefühles.  Im  Occident  hatte  man  die  Pestkreuzlein  und  andere
Amulette,  und  wenn  es  auch  an  ersteren  im  Oriente  fehlte,
so  gab  es  dafür  der  letzteren  die  Menge  in  den  mohammedanischen ­
  Ländern.  Sogar  die  Reliquienverehrung  hat  in  den
Ländern  des  Islams  allmälig  mehr  und  mehr  sich  verbreitet,
und  der  Heiligencultus  des  späteren  Islams  bietet  die  zahlreichsten ­
  und  auffallendsten  Vergleichspunkte  mit  dem  christlichen ­
  Europa  des  Mittelalters.
Ohne  hier  auf  die  Entstehung  des  Heiligencultus  im  Islam
zurückkommen  zu  wollen,  über  die  ich  au  einem  anderen  Orte
ausführlich  gesprochen  habe, 2  will  ich  einen  Fall  hier  als
Beleg  anführen,  der  zu  einem  Vergleiche  gewissermaassen
herausfordert.
Ibn  Wardy,  der  Fortsetzer  der  Annalen  Abul  Feda’s,  berichtet ­
  zum  Jahre  749  H.  (1348  n.  Chr.)  —  es  ist  dies  das
Jahr  des  schwarzen  Todes  —  dass  zu  Manbig  (Hierapolis)  auf
den  Gräbern  des  Propheten  Matth,  des  Hanzalah  Ibn  Chowailid,
des  Schwagers  Mohammeds,  des  Scheichs  'Akyl,  des  Scheichs
Janbul,  die  im  Innern  der  Stadt  liegen,  dann  auch  auf  dem  Grabe
des  Scheichs  'Aly,  sowie  auf  dem  Grabmonumente  Mashhad
almasyhat,  nördlich  von  Manbig,  sich  grosse  Lichter  gezeigt
hätten,  die  von  einem  Grabe  zum  andern  übersprangen,  sich
vereinigten  und  auf  einander  einstürmten.  Diese  Erscheinung
habe  ein  Viertel  der  Nacht  hindurch  angedauert.  Der  Berichterstatter ­
  fügt  bei,  dass  dieser  Vorfall  in  Manbig  das  grösste
Aufsehen  machte,  der  Kädy  nahm  ein  Protokoll  auf,  sandte  es
an  die  Statthalterschaft  in  Aleppo,  und  ihm  selbst  habe  der-1
  Die  nothwendige  Folgerung  ist,  dass  jedes  Ankämpfen  dagegen  sündhaft
ist.  Diese  Ansicht  verbreitete  sich  in  der  That  immer  mehr  im  Oriente
und  beförderte  mächtig  die  fatalistische  Geistesrichtung.
2  Gesch.  der  herrsch.  Ideen  des  Islams,  S.  170  ff.
            
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