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Kr em er.
Solche Processionen kann man noch jetzt im Oriente
sehen, denn die Derwische, welche halbnackt sich bis aufs
Blut geissein, die Wangen und Arme mit Nadeln und Nägeln
durchstechen und andere Selbstmarterung zur Erbauung der
frommen und der gläubigen Menge vornehmen, spielen bei
allen religiösen Festen des Islams eine grosse Rolle.
Der gemeinsame, all diesen Kundgebungen zu Grunde
liegende Gedanke ist immer der: durch die Innigkeit und
Kraft des Gebetes, durch die Ausdauer und das Ungestüm der
Hilferufe die göttliche Barmherzigkeit sich gewissermassen zu
erzwingen, eine Idee, die schon im indischen Alterthum auftritt
und im mohammedanischen Orient eine grosse Verbreitung
gefunden hat.
Nur in einer Richtung that es Europa damals dem
Oriente zuvor: in der abergläubischen Ausschmückung der
Pest mit Teufelsspuk, Zauberkünsten und Hexenstreichen.
Das Auftreten der Pestilenz ward dem Teufel zugeschrieben,
teuflische Gespenster haben ihr Spiel in der Pestzeit, der
Teufel geht sichtbarlich um, man wollte zu Trier die Teufel
in der Luft gehört haben, die Todtengräber sollen mit ihnen
im Bunde stehen, um durch eine recht starke Pest ihr Geschäft
in Schwung zu bringen u. dgl. m.
Die religiösen Anschauungen des Islams schlossen solche
Verirrungen aus. Zwar betrachtete schon der alte arabische
Volksglauben die Pest als eine Folge des Stiches böser Geister
(ginn), aber diese Idee ward nicht weiter ausgeführt und
scheint schon frühe in Vergessenheit gerathen zu sein, wenigstens
ist in den späteren Zeiten nicht mehr die Rede davon,
was wohl daher auch sich erklären mag, dass, wie ich schon
früher bemerkte, die Theologen, die ursprüngliche Lesart mit
einer schlechten verwechselnd, die Pest für einen Schmutz der
Sünde erklärten. Unter dem Einflüsse dieser theologischen
Auffassung sah man die Pest als eine wegen der Sünden und
zur Reinigung von denselben von Gott über die Menschen verhängte
Strafe an.
Die arabischen Aerzte vertraten allerdings die verständige
Ansicht, die Pest sei eine Krankheit, welche in Folge ihres
Giftstoffes ein tödtliches Geschwür hervorrufe, und die erste
Ursache hiefür sei die Verderbniss der Luft. Aber die Theo-\