Ueber die grossen Seuchen des Orients nach arabischen Quellen.
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Die Pest aber hörte auf. Der Pascha liess eine grosse Procession
veranstalten, um Gott für die Abwendung der Gefahr
zu danken und den Todten liess er feierlichst begraben. 1
Am nächsten Morgen kam ein anderer Türke, stellte sich
mitten auf den grossen Markt hin, zog seine Kleider aus und
schnitt sich den Bauch auf, aus dem er die Gedärme herausriss,
indem er rief: ,Ich sterbe aus Liebe zu dem Propheten
Mohammed, dem ich hiemit meine Eingeweide aufopfere k
Wir haben es hier mit Fällen von religiösem Wahnsinn
zu thun, wie er allmälig, besonders mit der Verbreitung der
Derwischorden und der schwärmerischen Lehren des Sufismus,
des pantheistischen Mysticismus, immer häufiger sich bemerkbar
zu machen begann. Der ekstatische Derwisch, welcher
im Gefühle seines nahen Todes sich auf den Bazar begibt und
dort das Aufhören der Pest verkündigt, glaubte selbst daran
und die Volksmenge, die ihm zuhörte, war ebenfalls unter dem
Eindrücke derselben Geistesrichtung so überzeugt von der Wahrheit
seiner Worte, dass sie wirklich unmittelbar nach seinem
Tode das Aufhören der Pest wahrzunehmen glaubte.
Der andere Derwisch, welcher sich aus Liebe zu dem
Propheten tödtete, ist einfach ein verrückter Fakyr, wie man
sie noch heutzutage bei den grossen Volksfesten und Messen
des Orients sehen kann. Noch jetzt kann man alljährlich bei
der Feier des Geburtsfestes Mohammeds in Kairo die Ceremonie
des Ueberreitens sehen, bei der sich einige hundert
Fanatiker und religiöse Schwärmer von dem Scheich überreiten
lassen, was immer mehrere Verletzungen, zuweilen mit tödtlichem
Ausgange, zur Folge hat.
Solcher religiöse Wahnsinn ist dem Geiste des alten
Islams vollkommen fremd und unbekannt, ebenso wie alle die
später erdachten, auf Erhöhung der religiösen Stimmung abzielenden
Ceremonien, wie: öffentliche Bittgänge und Pro-1
Ich muss hier die Bemerkung beifügen, dass auch bei der Epidemie von
1348 in Europa Fälle vorkamen, wo Leute in Ekstase geriethen und
nicht nur die eigene Todesstunde genau angaben, sondern auch jene bezeichneten,
die nach ihnen sterben würden. Peinlich: Geschichte der
Pest in Steiermark I, S. 333.
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