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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Ueber  die  grossen  Seuchen  des  Orients  nach  arabischen  Quellen.

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Der  erste  Fall,  wo  diese  Neuerung  vorkam,  war  im  Jahre
749  (1348),  wozu  jedoch  ausdrücklich  bemerkt  wird,  dass  diese
Bitte  ganz  erfolglos  geblieben  sei. 1
Es  ist  ein  eigentümliches  Zusammentreffen,  dass  wir
über  dieses  Ereigniss  den  Bericht  eines  Augenzeugen,  nämlich
des  grossen  Reisenden  Ibn  Batuta,  besitzen,  der  sich  gerade
damals  in  Damascus  befand,  als  der  schwarze  Tod  dort  wüthete
und  die  Bevölkerung  endlich  in  einer  allgemeinen  Bittprocession
im  Monate  Raby'  II  (Juli)  um  Erlösung  von  der  Pestnoth  flehte.
Er  verzeichnete  dieses  Ereigniss  als  etwas  Neues  und  Ungebräuchliches. ­
  Der  oberste  Emyr  und  Statthalter  Arghunshäh
liess  durch  öffentliche  Ausrufer  in  ganz  Damascus  bekannt
geben,  dass  alle  Welt  durch  drei  Tage  streng  zu  fasten  habe,
am  dritten  Fasttage  aber,  einem  Freitage,  versammelten  sich
die  Emyre,  die  Abkömmlinge  des  Propheten,  die  Kädys,  Religionsgelehrten ­
  und  alle  Classen  der  Bevölkerung  in  der  Hauptmoschee,
  wo  sie  beteten,  Gott  lobpriesen  und  Gelübde  ablegten.
Dann  verrichteten  sie  noch  das  erste  Frühgebet  und  zogen
hierauf  zuFuss  hinaus,  die  Korane  tragend,  während  die  Grossen
selbst  baarfuss  mitgingen.  Alle  Bewohner  der  Stadt,  ohne
Unterschied  des  Geschlechtes  und  des  Alters,  betheiligten  sich
an  dieser  Procession.  Die  Juden  trugen  ihre  Bibel  voran,  die
Christen  das  Evangelium,  die  Frauen  und  Kinder  folgten  den
Männern,  wehklagend  und  Gott  bei  seiner  Offenbarung  und
seinen  Propheten  um  Hilfe  anrufend.  Der  Zug  ging  zur  Moschee ­
  der  Fussspur  (des  Propheten,  d.  i.  alljadam); 2  hier  verweilte ­
  man  wieder  in  Gebeten  und  in  Anrufungen  bis  nach  Mittag
(zawäl),  worauf  der  Zug  in  die  Stadt  sich  zurückbewegte,  um
daselbst  das  Freitagsgebet  abzuhalten.
Dieser  Schilderung  fügt  Ibn  Batuta  die  Bemerkung  bei,
dass  Gott  auch  wirklich  eine  Erleichterung  gewährt  habe,  indem
die  Zahl  der  täglichen  Todesfälle  in  Damascus  nicht  tausend
überstieg,  während  in  Kairo  und  Altkairo  bis  24.000  an  einem
Tage  starben.
Für  die  strengen  Anhänger  der  alten  Schule  war  dieses
Massengebet  bei  Pestgefahr  eine  durch  nichts  gerechtfertigte
1  Sojuty,  fol.  12,  13.
2  Steht  noch  jetzt  in  Damascus.
Sitzungßber.  d.  phil.-hist.  CI.  XCVI.  Bd.  I.  Hft.  7
            
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