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K r e ra e r.
mich beschirmen; es ist vergebens einem Dinge zn entlaufen,
dem man nicht entlaufen kann. Mein Hof und Haus sind auch
eben jetzt von der Pest nicht frei, gleichwohl bleibe ich darinnen;
der Gesandte würde nach meinem Urtheile auch besser tliun,
wenn er bliebe, wo er ist'.
Von demselben kaiserlichen Internuntius v. Busbeck besitzen
wir auch andere werthvolle Nachrichten über die weiteren
praktischen Wirkungen dieses blinden Glaubens an das unvermeidliche
und unabwendbare Verhängniss. ,Die Türken', sagt
er, gebrauchen ohne Bedenken die Kleider und Wäsche, in
welchen Pestkranke gestorben sind, tvenngleich sie noch von
dem Todesschweisse feucht sind, ja sie reiben sich damit die
Gesichter: wenn es Gott beliebt, sagen sie, dass ich an der
Pest sterbe, so ist es unausweichlich, wo nicht, so kann es mir
nicht schaden. So wird der Ansteckung Thor und Thür geöffnet
und ganze Familien sterben aus.'
Auch in Kairo hatte sich dieser blinde Aberglaube verbreitet
und so fest Wurzel gefasst, dass ein Reisender sich
folgendermaassen ausspricht: ,Wegen dieser Meinung der Türken
wiithet die Pest vielmals in Alltairo so hefftig und reisset so
■eine grosse Menge Menschen darnieder, dass zu unterschiedenen
Malen allda innerhalb sechs oder sieben Monaten über 500.000
Menschen an dieser schädlichen Seuche gestorben sind. Also,
sag ich nun, weil dieses der Türken Meinung ist, als lieffen
sie damals promiscue ohne Unterschied in die inficirten Häuser;
geschah aber dadurch, dass unzählich andere angesteckt wurden,
die auch also hauffenweiss das Leben lassen mussten.' 1
Unter dem Eindrücke dieses allmälig immer stärkere
Wurzel fassenden blinden Glaubens kamen nach und nach
verschiedene abergläubische Gebräuche auf, die dem Geiste
des früheren Zeitalters gänzlich fremd waren. So war es früher
in den mohammedanischen Ländern nicht üblich, dass man in
Pestzeiten besondere Gebete um Erlösung von dieser Geissei
abgehalten hätte. Nur bei grosser Dürre und Regenmangel
pfleg'te man öffentliche Gebete abzuhalten, aber nie bei Pestgefahr.
1 Dapper in seinem Afrika, in der Beschreibung- von Aegypten, p. 129;
citirt nach 'Magii; OsrpaToc, Gottes Hand und Geissei, oder: Warhaffte
Darstellung und Beschreibung der meisten denkwürdigen Pestseuchen
u. s. w. von M. Job. Christ. Hahnen, Nürnberg, 1684.