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Krem er.
wo ihr seid, so ergreifet nicht aus Furcht vor ihr die Flucht,
und hört ihr, dass sie in einem Lande sei, so reiset nicht hin/ 1
Die strenge Beobachtung dieser Verhaltungsvorschrift
würde allein genügt haben, dem Umsichgreifen der grossen
ansteckenden Seuchen Grenzen zu setzen, indem dadurch die
Abschliessung der inticirten Orte herbeigeführt werden musste.
Allein trotz der religiösen Weihe dieser Vorschrift, die in der
That für das Verhalten der mohammedanischen Völker in Pestzeit
einen maassgebenden Einfluss hatte und ganz besonders
in der späteren, bigotten Periode des Islams, siegte doch nicht
selten der Selbsterhaltungstrieb über den blinden Glauben und
man suchte das Heil in der Flucht.
Es ist höchst bezeichnend für den grossen Unterschied
in der Denkart der älteren mohammedanischen Generationen
und der jüngeren, dass der stumpfsinnige, blinde Glaube an
das unabänderliche Fatum, das gedankenlose Hingeben an die
höhere Schicksalsbestimmung, wie sie im späteren Islam auftreten,
in der früheren Zeit durchaus nicht so verbreitet vraren.
Die Ommajjaden-Chalifen brachten den grössten Theil des
1 Das Wort rigz, das in dieser Tradition vorkommt, ist, wie so viel Anderes,
bei den arabischen Grammatikern und Lexicographen einfach die Ausgeburt
eines Missverständnisses. Es wird nämlich von einer Reihe angesehener
Traditionisten ('Abdalrazzäk in seinem Mosannaf, Ibn Aby
Shaibah, Ahmad Ibn Hanbal im Mosnad, Ibn Aby-ldonjä in seinem Buche
der Pestepidemien, Kitäb altawä’vn, dann von Bazzär, Abn Ja'lä, Tabaräny,
Ibn Chozaimah u. s. w.) eine von Baihaky ausdrücklich für echt
erklärte Tradition überliefert, die auf Abn Musä Ash'ary zurückgeht und
nach welcher der Prophet gesagt haben soll: ,Die Vernichtung meines
Volkes erfolgt durch den Lanzenstich (ta*n) und die Pest (tä'unV. Da
sprach man: ,0 Gesandter Gottes, den Lanzenstich kennen wir, aber
lass uns wissen, was die Pest sei*. Er sprach: ,Es ist ein Stechen der
euch feindlichen Geister (ginn) und der Tod durch das eine oder andere
bringt das Märtyrerthum mit sich 4 . Es scheint demnach, dass es eine
alterthümliche Vorstellung war, die Pest als die Folge der Stiche böser
Geister darzustellen. Das Wort für Stechen lautet hier ; durch
Verschreibung entstand daraus das i n der Bedeutung von Schmutz,
Unreinigkeit in die Tradition sich einschlich und später, als die Theologen
mit der Definition der Sünde, als einer materiellen Beschmutzung,
fertig geworden waren, um so lieber festgehalten ward, da diese Idee
den Theorien der Theologen besser entsprach, als die erste ursprüngliche
Lesart.