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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Voltaire-Studien.

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eine. 1  Die  Juden  haben  es  nie  zu  einem  achtbaren  Staatswesen
gebracht,  kaum  zu  einer  rechtschaffenen  Theokratie,  geschweige
denn  dass  ihre  Hohenpriester  unter  der  verfassungsmässigen
Lenkung  Jehovas  gestanden  wären. 2  ,0  mein  Gott!'  ruft  er
aus,  ,wenn  Du  in  eigener  Person  auf  die  Erde  herabstiegest
und  mir  beföhlest,  an  dieses  Gewebe  von  Mordthaten,  Räubereien, ­
  Meucheleien,  Schändlichkeiten,  begangen  in  Deinem
Namen  und  auf  Deinen  Befehl,  zu  glauben,  ich  würde  sagen:
Nein,  Du  willst  mich  ohne  Zweifel  nur  versuchen.  Wie  könnte
man  auch  an  diese  gräuliche  Geschichte  auf  so  elende  Zeugnisse
hin  glauben!' 3  Rein  historisch  betrachtet,  ohne  theologische
Voreingenommenheit  und  ohne  Concession  an  den  jüdischen
Hochmuth, 4  sind  die  Hebräer  ein  kleiner  nomadischer  Stamm,
welcher  sich,  nachdem  er  längere  Zeit  unter  ägyptischem  Cultureinflusse
  gestanden,  eines  syrischen  Landstrichs  von  elender
Beschaffenheit  bemächtigte, 5  dann  nach  wechselvollen  Schicksalen ­
  unter  selbstständigen  Königen  lebte  ß  und  seinen  phönicischen
  Nachbarn  das  wenige  Gute,  das  ihre  Einrichtungen
hatten,  entlehnte.  Kurz  nach  seiner  höchsten  Bliithe  spaltete
sich  das  Reich  und  gerieth  unter  die  Herrschaft  der  vorderasiatischen ­
  Grossstaaten.
Seit  dieser  Zeit  verwarfen  sich  die  Hebräer  auf  das
Mäkler-,  Wechsler-  und  Trödlergeschäft,  namentlich  in  dem

1  Pourquoi  ces  Juifs  furent-ils  presque  toujours  dans  l'esclavage?  .  .  le
Dieu  des  armees  dtait  toujours  k  leur  tete  .  .  N’est-il  pas  clair,  que  si
les  Juifs,  qui  esperaient  la  conquete  du  monde,  ont  ete  presque  toujours
asservis,  oe  fut  leur  faute.  (Phil,  de  l’liist.,  41.)
2  Art.  Theocratie.
3  Sermon  des  Cinquaute  (1752),  2 me  point.  —  Dialogue  du  douteur  et  de
l’adorateur  (1763):  Je  ne  crois  pas  ces  horreurs  impertinentes  .  .  Diese
Ansicht  hängt  damit  zusammen,  dass  er  den  Geschichtsbüchern  des  Alten
Testaments  (wie  des  Neuen  Testaments)  nur  einen  höchst  geringen
Quellenwerth  beimisst.  Die  Einzelheiten  derselben  würdigt  er  keines
Glaubens;  wenn  er  sie  kritisirt,  so  kritisirt  er  sie  aus  philosophischen
Gesichtspunkten,  um  auch  ihren  intellectuellen  und  moralischen  Werth
herabzusetzen.
1  Nous  examinons  eette  histoire  comme  nous  ferions  celle  de  Tite-Live
ou  d’Herodote.  (Dieu  et  les  hommes,  c.  14.)  ■—  Les  livres  juifs  ne  sont
point  juges  en  leur  propre  cause.  (Ibid.)
5  Ueber  das  ,gelobte  Land 1  vgl.  Art.  Judee  —  Juifs  (6 me  lettre).
6  Voltaire  nennt  sie  selten  anders,  als  ,les  roitelets  juifs 1 .
            
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