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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Voltaire-Studien.

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der  Kirchenväter  Folge  zu  leisten,  bittet  er  um  die  Erlaubnis,
als  Historiker,  Philosoph  und  Mensch  sein  unmaassgebliches
Urtheil  abgeben  zu  dürfen. 1  Gleich  den  Pentateuch  kann  er
nicht  für  das  Werk  Mosis  halten;  das  Buch  dürfte  schwerlich
vor  dem  Zeitalter  der  babylonischen  Gefangenschaft,  genauer  des
Esdras,  niedergeschrieben  worden  sein. 2  Wenn  man  die  Bibel
unbefangenen  Sinnes  lpse,  so  sei  Moses  ,ein  blosser  Zauberer
und  Wunderthäter,  ein  unfähiger  und  grausamer  Volksführer,
ein  Fanatiker,  dessen  Gebahren  der  Idee  einer  göttlichen  Sendung ­
  auf  das  äusserste  widerspreche.  In  Wahrheit  sei  er  das
Erzeugniss  einer  althebräischen  Umbildung  der  über  die  halbe
Welt  verbreiteten  Bacchussage.  Diese  fabelhafte  Persönlichkeit
sei  mit  dem  Gesetzgeber  confundirt  worden,  der  die  Juden  auf
ihrer  Wanderung  von  den  Grenzen  Aegyptens  nach  Palästina
geführt  haben  mag,  ohne  dass  irgend  ein  glaubhaftes  Detail
darüber  bekannt  wäre.' 3
Der  Glaube  an  die  Inspiration  heiliger  Bücher  und  an
eine  besondere  Offenbarung  ist  keine  Eigentümlichkeit  der
Juden;  sie  theilen  denselben  mit  den  meisten  Völkern  der
alten  Welt.  Aber  wie  können  wir  diesen  Glauben  mit  ihnen
theilen?  Soll  Gott  wirklich  die  handgreiflichsten  Märchen  für
geschichtliche  Thatsachen  ausgegeben  haben? 4  Soll  Gott  die

1  Homelie  sur  l’interpretation  de  l’Ancien  Testament  (1765):  Nous  savons
que  Dieu  daigna  se  proportionner  ;i  leur  inteüigence  eneore  grossiere  .  .
l’Esprit  saint  a  voulu  nous  faire  voir  combien  une  fausse  science  est
dangereuse  .  .  il  faut  soumettre  sa  raison  orgueilleuse  soit  qu’on  lise
eette  histoire  comme  veridique,  soit  qu’on  la  regarde  comme  un  embleme
  .  .  Edifions-nous  de  ce  qui  fait  le  scandal  des  autres.  Vgl.  Art.
Figure;  Embleme.  —  Phil,  de  l’hist.,  47.
2  Art.  Moi'se,  S.  III.  —  Genese.  —  Examen  important  de  M.  Bolingbroke
(1767),  c.  4.  —  Phil,  de  l’hist.,  40.
3  Ils  prirent  une  partie  de  la  fable  de  l’ancien  Back  ou  Bacchus,  dont  ils
firent  leur  Moi'se.  (Examen  important  de  M.  Bolingbroke,  c.  5.)  —  Vossius
est,  je  pense,  le  premier  qui  ait  etendu  ce  parallele.  (Art.  Bacchus.)  —
Cf.  Phil,  de  l’hist.,  c.  28  und  40.  —  Art.  Moi'se.  —  Voltaire  polemisirt
in  der  Phil,  de  l’hist.  (c.  25  und  28)  gegen  Huet,  der  Moses  mit  Minos,
Osiris,  Typhon,  Zoroaster,  Aesculap,  Romulus,  Adonis,  Priapus  u.  s.  f.
identificirte.  Ueber  einen  Fabeldeuter  ähnlichen  Kalibers  siehe  Art.  extraits
  du  journal  de  politique  (1777),  IV.
4  Notre  Gulliver  a  de  pareilles  fahles,  mais  non  de  telles  contradictions.
(Examen  important  de  M.  Bolingbroke,  c.  8.)  —  Ces  prodiges  de  Gar-
            
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