900
Ho fler.
Nur muss man gänzlich dahingestellt lassen, ob diejenige
Handschrift des Laurentius, welche Palacky für die reichhaltigste
hielt, es auch wirklich ist, wenn auch nicht gezweifelt
werden kann, dass sie von den bisher aufgefundenen die am
besten erhaltene ist. Daneben hat sich aber in der Prager
Universitätsbibliothek noch eine andere gefunden, die, wie ich
nachwies, Vieles enthält, was der bisher benützte Universitätscodex
nicht enthält, somit wirklich die reichhaltigste, leider
auch die am meisten verstümmelte ist. Sie folgt auf eine
andere Chronik, in der es heisst: obiit Serenissimus rex Ladislaus
1457, est clarn suffocatus. Da im Zeugenverhör über
König Ladislaus’ Tod dieser Chronik nicht gedacht wurde, ist
wohl anzunehmen, dass sie Palacky überhaupt nicht kannte.
Freilich hat er auch die Rosenbergische Chronik darin nicht
erwähnt, in der es heisst: intoxicatus (Ladislaus) per Girzikonem
de Podiebrad gubernatorem regni, worauf noch in Betreff
der neuen Königswahl gesagt wurde: et alii Baron es oportebant
assentire coacti habuitque (Girziko) in praetorio tres tortores
aptos astantes. (Cod. Univ. Prag. XI. D. 8.)
Ob er aber diese Handschrift, ehe ich davon Gebrauch
machte, kannte oder nicht, mir wurde dadurch klar, warum
Franticek Palacky gar so übler Laune wurde, als ich den
Codex XI. D. 8 benützte, während ich mir eher darüber einen
Vorwurf mache, dass ich nicht alle Varianten mittheilte. Palacky
selbst hat uns den Laurentius in der Würdigung als
einen ehrlichen Ultracalixtiner vorgeführt, an dem nichts auszusetzen
ist, als seine Abneigung gegen — die Taboriten. Er
trage, heisst es in der Würdigung, einen nicht geringen Theil
an der Schuld, dass an die Namen der Taboriten und eines
Zizka’s alle Gräuel menschlicher Vorstellungskraft sich anknüpfen,
während es nichts Geschichtswidrigeres gebe (S. 244).
Andere Personen werden sagen, dass Laurentius, der die
Taboriten entstehen sah, ihr Treiben persönlich gewahrte und
wie jede edlere Natur von diesem mit Eckel und Widerwillen
erfüllt wurde, ein zwar sehr lebhaftes, aber auch sehr treues
Bild von ihnen entwarf. Doch davon soll hier nicht weiter die
Rede sein, wohl aber von einer Schlacht, bei welcher wir uns
ganz besonders auf Laurentius stützen müssen und die selbst
zu einem grossen Ereignisse künstlich aufgebauscht wurde. Es