Abhandlungen aus dem Gebiete der slavischen Geschichte. III.
899
III.
Die Schlacht am Zizkaberge yor Prag.
14. Juli 1420.
Mit Benützung eines bisher unbekannten gleichzeitigen Berichtes.
Das Verdienst, auf die hohe Bedeutung des hussitischen
Geschichtschreibers Laurentius von Brezina hingewiesen und
die Forscher wenigstens mit einem Theile der für die ersten
Kämpfe der Hussiten wichtigen Chronik bekannt gemacht zu
haben, gebührt einem Deutschen, Ludewig, welcher in den reliquiis
manuscriptorum c. VI, p. 124. 21G einen Theil derselben,
und zwar in einer wenig brauchbaren Weise abdrucken
Hess. Als Palacky seine Würdigung der alten böhmischen
Geschichtschreiber herausgab, erwähnte er eines Papiercodex
als der wichtigsten Handschrift, von welcher andere Abschriften,
die er (Palacky) eingesehen, in späterer Zeit genommen waren.
Von einem in Breslau befindlichen Exemplare habe er nur
mündliche Nachricht, Dobner eine alte Pergamenthandschrift
gekannt. Das ganze Werk, soweit wir es nämlich besitzen, sei
bis auf den heutigen Tag noch nirgends gedruckt worden.
(S. 204—209.)
Da Palacky bei seiner Benützung des Laurentius dem
Codex Univ. Prag. I, S. 10, die von ihm erwähnte Papierhandschrift
zu Grunde legte, glaubte ich bei der Herausgabe
des Laurentius dasselbe thun zu müssen. Ich benützte ferner
die in der fürstlich Lobkowitz’schen Bibliothek zu Prag befindliche
Handschrift: magistri Laurentii Brezina chronica Bohemiae
ex antiquissimo manuscripto desumtum (Bibi. Principum
de Lobkow. n. 363), wobei man an Dobner’s Pergamenthandschrift
denken mag, die sich aber noch nicht auffinden
Hess und schwerlich je gefunden wird. Von dem Breslauer
Codex verschaffte ich mir durch Herrn Professor Gindely
Kenntniss und aus ihm stammt das in den Geschichtschreibern
der hussitischen Bewegung B. I, S. 303 abgedruckte prooemium,
wobei der Autor als Laurentius de Brezina bezeichnet wurde.
Sitzungster. d. phil.-hist. 01. XCV. Bd. III. Hft. 58