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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  slavischen  Geschichte.  II.

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heraus,  dass  Recht  und  Unrecht  auf  beiden  Seiten  lagen.  Der
Streit  hatte  aber  durch  die  Parteischriften  eine  Wendung  genommen, ­
  dass  es  sich  um  die  Giltigkeit  päpstlicher  Bullen  und
kaiserlicher  Urkunden  handelte,  wie  um  das  ganze  bisher  eingeschlagene ­
  System  in  Betreff  des  Ordens.  Fragen  von  ganz
ungemeiner  Tragweite  waren  aufgeworfen  worden,  die  denen,
welche  sich  auf  Böhmen  bezogen,  an  Wichtigkeit  nicht  nachstanden. ­
  König  Sigmund  war  hiebei  nicht  weniger  betheiligt
als  der  Papst  selbst  und  kein  Verständiger,  scheint  es  mir,
kann  es  Martin  V.  verübeln,  wenn  er  die  heikele  und  unangenehme ­
  Angelegenheit,  die  die  Gemüther  aufs  Aeusserste
erregt  hatte,  dem  Concil  zu  entziehen  suchte,  das  bei  einem
weiteren  Eingehen  in  den  Streit  noch  die  längste  Zeit  hätte
versammelt  bleiben  müssen,  um  zuletzt  doch  im  grössten  Hader
auseinander  zu  gehen.  Papst  Martin  suchte  eben  deshalb  wie  der
römische  König  ausserhalb  des  Concils  die  Sachen  beizulegen.
Er  nahm  auch  den  Urheber  des  Streites,  Johann  von  Falkenberg, ­
  mit  nach  Rom,  um  durch  seine  Entfernung  den  Hader
niederzuhalten,  nachdem  derselbe,  wie  Dlugoss  behauptet,  von
dem  Concil  zur  ewigen  Haft  verurtheilt  worden  war, 1  einem
Schicksale,  das  Johann  von  Husinetz  bevorstand,  und  dem  er
sich  durch  seine  Erklärung:  volo  mori,  ich  will  sterben,  entzog.
Die  späteren  Schicksale  Johannes  von  Falkenberg,  welcher
nach  einiger  Zeit  aus  Rom  nach  Deutschland  zurückkehrte,
endlich  selbst  mit  dem  Deutschherrenörden  in  Zerwürfniss
gerietli,  bieten  kein  weiteres  Interesse  für  uns  dar.  Wichtiger
zur  Kenntnissnahme  des  inneren  Verlaufes  der  Dinge  ist,  dass,
während  in  Böhmen  die  Dinge  sich  immer  mehr  zum  Bürgerkriege, ­
  zur  Auflösung  aller  kirchlichen  und  politischen  Verhältnisse ­
  anliessen,  in  Polen  der  Erzbischof  Nicolaus  (II.  Traba)
von  Gnesen  bereits  1420  eine  grosse  Nationalsynode  erst  in
Vielau,  dann  in  Kalisch  mit  seinen  Suffraganen  von  Krakau,
Plocz,  Posen,  Wilna,  Breslau  und  Lublin  hielt,  um  im  Angesichte ­
  der  aus  Böhmen  drohenden  Gefahr  eine  Consolidirung
der  Verhältnisse  zu  erwirken,  und  zwar  auf  Grundlage  der
von  dem  Constanzer  Concil  eingeleiteten  Reform. 2  Die  Ver-1
  Dlugossus  p.  377.
2  Statuta  toti  provinciae  Gnesneusi  valentia  coudita  praeside  Nicolao  II.
Traba  Arcliiepiscopo  Gnesnensi  in  synondo  provineiali  Vielano-Calisiensi
            
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