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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

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Höflev.

war  jedenfalls  sehr  eigentümlich,  wenn  das  Concil  eine  Schrift
als  häretisch  bezeichnen  würde,  die  sich  für  die  Unfehlbarkeit
des  Papstes  in  Glaubenssachen  ausgesprochen  hatte. 1  Es  war
natürlich,  dass  der  Dominikaner  bei  den  Berathungen  über
seine  Schrift  auch  Personen  fand,  die  nicht  unbedingt  für  ihre
Bezeichnung  als  häretisch  waren,  wenn  andererseits  auch,  sobald ­
  eine  derartige  Untersuchung  begonnen  hatte,  die  Verhaftung ­
  des  Verfassers  erfolgte.  Bei  der  Heftigkeit  der  Anklagen ­
  gegen  eine  ganze  Nation,  der  im  Augenblicke  der
Zerwürfnisse  mit  den  Czechen  die  schärfste  Anklage  in  das
Gesicht  geschleudert,  ja  der  rechtliche  Bestand  abgesprochen
wurde,  konnten  sich  die  Polen  mit  halben  Massregeln  nicht
zufrieden  geben.  In  ihrem  Interesse  lag  es,  dass  ein  Exempel
statuirt  werde,  und  so  lag  denn  die  Möglichkeit  gar  nicht  ferne,
dass,  nachdem  die  eifrigen  Slaven,  Johannes  Hus  und  Hieronymus ­
  von  Prag,  als  Häretiker  auf  dem  Ilolzstosse  geendet,
ihnen  der  übereifrige  Deutsche  Johann  Falkenberg  nachgesendet ­
  werde.  Sicher  hatten  die  Polen  gegen  eine  solche  Procedur
  nichts  einzuwenden.  Es  konnte  ihnen  aber  zu  diesem
Zwecke  nicht  genügen,  dass  Falkenbergs  Schriften  als  scandalös
und  irrthümlich  bezeichnet  wurden;  er  selbst  musste  als  Häretiker ­
  verurtheilt  werden,  was  nur  geschehen  konnte,  wenn
Falkenbergs  literarisches  Auftreten  durchwegs  als  mit  Häresie
erfüllt  dargethan  wurde.  Allein  der  Urtheilsspruch  der  Verordneten
  der  Nationen  auf  dem  Concil  vom  7.  Juni  1417  lautete
wohl  dahin,  dass  seine  Schrift  gegen  den  Glauben  und  die
gute  Sitte  verstosse,  schändlich,  aufrührerisch  und  grausam  sei, 2
jedoch  nicht  häretisch,  worauf  es  vor  Allem  ankam,  und  das
Urtheil  selbst  war  nur  mit  Majorität  gefasst,  aber  nicht  der
Ausspruch  sämmtlicher  Richter. 3  Die  Polen  waren  jedoch  entschlossen, ­
  die  Sache  bis  zum  Aeussersten  zu  treiben;  dem  slavischen
  Häretiker  sollte  ein  deutscher  an  die  Seite  gestellt,
Falkenberg  als  Irrlehrer  und  Ketzer  verurtheilt  werden.  Aber
auch  die  Cardinäle,  geschweige  P.  Martin,  waren  nicht  für
diese  Ansicht  zu  gewinnen,  was  den  polnischen  Bischöfen

1  Schwab,  Johannes  Gerson  S.  663.
2  Caro  III,  S.  455,  n.  3.
3  Von  der  Hardt  IV,  S.  1552.
            
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