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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 95. Band, (Jahrgang 1879)

Abbandlungou  aus  dem  Gebiete  der  slavisoben  Geschichte.  II.

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Betreff  eines  andern  das  Urtlieil  erwartet  wurde,  auch  in
Form  von  Rathschlägen  den  vier  Nationen  des  Concils  ein
Reformationsplan  des  Ordens  übergeben  worden  war. 1  Dies
veranlasste  Paul,  den  neuen  Tractat  zu  schreiben,  um  sich  zu
rechtfertigen,  als  wenn  der  seine  die  päpstliche  oder  kaiserliche ­
  Autorität  benachteiligen  wollte.  Man  erfährt,  dass  auch
der  bekannte  Magister  Mauritius  von  Prag  2  sich  an  dem  Streite
betheiligte,  und  zwar  auf  Seite  der  Polen,  indem  er  dem  Papste
den  Besitz  der  beiden  Schwerter,  des  geistlichen  und  des
weltlichen,  zuerkannte  und  namentlich  das  Bündniss  des  Königs
mit  Ungläubigen  als  einen  Act  der  Nothwendigkeit  darzustellen
suchte.  Die  Brüder  seien  der  angreifende  Theil  gewesen,  von
ihnen  die  offenen  Briefe  ausgegangen,  sie  hatten  Schlösser,
Dörfer  uud  Städte  verbrannt,  das  Herzogthum  Dobrin  eingenommen, ­
  den  König,  dessen  Reich  sie  umzustürzen  beabsichtigten, ­
  zum  Kampfe  gezwungen,  und  während  er  selbst  noch  den
Frieden  unterhandelte,  ihm  und  seinem  Bruder  zwei  Schwerter
mit  der  Aufforderung  geschickt,  eine  Wahlstatt  zu  bestimmen,
worauf  sie  den  Angriff  begonnen  hätten.
Die  Sache  hatte  bereits  eine  eigenthümliche  Wendung
genommen.  Der  Erzbischof  von  Gnesen  hatte,  da  Johann  von
Falkenberg  sich  früher  als  Vertheidiger  der  Sätze  des  Jean
le  Petit  gegen  die  Pariser  Doctoren  bemerkbar  gemacht  hatte, 3
einen  Theil  der  Franzosen  für  sich.  Der  Erzbischof  brachte
die  Sache  vor  König  Sigismund  und  das  Concil  und  der  Dominikaner, ­
  welcher  sich  für  die  Unfehlbarkeit  der  Aussprüche ­
  des  Papstes  in  Glaubenssachen  erklärt  hatte,  1  sah  sich
in  die  unangenehme  Lage  versetzt,  dass  seine  Schutzschrift  finden ­
  Orden  als  verdammenswerth  erkannt  wurde.
Die  Verwirrung  der  Begriffe  war  im  Steigen.  Der  Streit
hatte  eine  Menge  von  Fragen  in  die  Debatte  gezogen,  die
eigentlich  dem  Gegenstände  fern  lagen,  wohl  aber  nicht  blos
die  Rechte  des  Königs  von  Polen  oder  des  Deutsehherrenordens,
sondern  auch  die  des  Papstes  und  des  Kaisers  betrafen.  Es

>  S.  267.
2  S.  268.
3  Joh.  Gerson,  opera  V.  (2.  p.  1014).
4  Schwab,  Johannes  Gerson  S.  665.
            
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